Balkanreise
Vorbereitung
1,/2. Etappe
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5./6. Etappe
7./8. Etappe
9./10. Etappe
11./12. Etappe
13./14. Etappe
15./16. Etappe
17./18. Etappe

1. Etappe - Die Reise geht los

von Erlangen nach Krumlov an der Moldau in Tschechien, ca. 360 km

 

    

Unsere Reise beginnt bei strahlendem Sonnenschein zunächst von Nürnberg in Richtung Cham und dann durch den

Bayerischen Wald zum Grenzübergang Bayerisch Eisenstein. Wie es so kommen sollte, kamen wir gleich am ersten

Tag unserer Reise in Bad Kötzting, unweit der tschechischen Grenze, in eine groß angelegte Polizeikontrolle.

Die Ordnungshüter hatten es diesmal auf Motorräder abgesehen und so waren wir natürlich mit dabei…

Während an der 850er GS neben der üblichen Überprüfung der Fahrzeugpapiere, Führerschein etc. auch das volle

Programm wie Reifenfabrikat und Profilstärke („Haben Sie die Freigabe für die Bereifung dabei?“), die letzte Haupt-

untersuchung, Fahrgestellnummer etc. oder auch Veränderungen am Motorrad überprüft wurden („Haben Sie am

Auspuff irgend etwas verändert?“) blieb die 1150er GS bis auf die Überprüfung der Papiere verschont. An der war

allerdings der Auspuff weitgehend leergeräumt… Nochmal Glück gehabt.

     

Mit einer abschließenden Bemerkung des Beamten, dass wir für eine so lange Balkanreise doch etwas wenig

Gepäck dabei hätten und das er selbst eine alte Africa Twin fahren würde, wurden wir also wieder in den Verkehr

entlassen und überschritten eine halbe Stunde später die Grenze nach Tschechien.

Wer schon einmal in Tschechien war wird bestätigen, dass man hier tolle Straßen für Motorradfahrer vorfindet. Klei-

ne geschwungene Straßen, meist in einem tadellosen Zustand, kleine Ortschaften und immer wieder dünn besie-

delte Gebiete erfreuen das Motorradfahrerherz. Besonders auch der südliche Böhmerwald, quasi auf tschechischer

Seite die Rückseite des Bayerischen Waldes, bezaubert durch seine großen Fichtenwälder, den frischen grünen Wie-

sen und Ackerflächen.

    

Gegen Abend erreichten wir die wunderschöne südböhmische Stadt Krumlov, die „Perle des Böhmerwaldes", deren

Altstadt sich in einem S-Bogen der Moldau schmiegt und bereits von weitem durch das höher gelegene imposante

Schloss aus dem 13. Jahrhundert zu sehen ist. Wegen der historischen Altstadt und der behutsamen Restaurierung

der Häuser, wurde Krumlov in der Liste der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen.

     

Einer der bedeutenden Künstler der Stadt war der Wiener Maler Egon Schiele, dessen Mentor Gustav Klimt ihn nicht

nur in seinem Malstil beeinflusste, sondern ihn in Krumlov immer wieder zu verschiedenen Werken inspirierte.

Neben seinen für die Zeit gewagten Aktmalereien sind auch verschiedene Ansichten der Stadt Krumlov vorhanden.

Unsere erste Tagesetappe endete also in Krumlov mit einem Spaziergang durch die Altstadt und mit einem hervor-

ragenden Essen der böhmischen Kochkunst. Vergoldet haben wir den Einstieg unserer Reise dabei zusätzlich mit

einigen frisch gezapften tschechischen Bieren. Ein Hochgenuss und ein ebenso toller Abschluss für einen ersten

Reisetag. Was will man mehr.


 

2. Etappe - Im Regen durch Tschechien

von Krumlov an der Moldau nach Trencin in der Slowakei, ca. 380 km, gesamt 740 km

 

     

Schon der Vorabend versprach wettermäßig nichts Gutes und wir hatten die leise Vorahnung, dass der zweite Tag

unserer Reise nass werden könnte. Und so kam es leider auch…

Schon nach dem Aufstehen am frühen Morgen regnete es Bindfäden und so starteten wir nach einem ausgiebigen

Frühstück mit Regenbekleidung in die zweite Etappe unserer Reise. Leider verloren sich die landschaftlichen Ein-

drücke in den Wolkenschleiern und Regenschwaden und alles wirkte grau in grau. War der erste Tag noch so voller

positiver Eindrücke, war der zweite Tag das Gegenteil davon. Jeder in seinen Gedanken versunken, saßen wir auf

unseren Motorrädern und spulten Kilometer um Kilometer ab. Es nahm kein Ende und irgendwie kamen wir nicht

so recht voran. Durch unsere Helmsprechanlagen waren wir glücklicherweise in der Lage hin und wieder mitein-

ander ein paar Worte zu wechseln um uns gegenseitig aufzumuntern, bevor jeder wieder für sich stumm in seine

„Regenschonhaltung" fiel, die gefühlt noch am meisten Wärme und Trockenheit versprach. Aber weit gefehlt, das

alles half auch nichts, denn Zeus hatte die Schleusen sehr weit geöffnet und sich offenbar sogar mit dem Gott der

Winde, verbündet.

     

Es war ein Schauspiel, wie Thomas dem Seitenwind trotzte und vor mir seine BMW im Winkel von gefühlt 80 Grad

entgegen stellte. Bei plötzlich auftretenden Windlöchern machte er dabei mit seinem Gefährt einen ordentlichen

Schlenker. Ein ähnliches Bild habe ganz sicher auch ich abgegeben, immer auf ausreichend Sicherheitsabstand be-

dacht. Manchmal habe ich die Rücklichter von Thomasˋ BMW im Wassernebel nur erahnen können.

Zum Glück haben unsere Motorräder Griffheizung, ein Vorteil, der manchen vielleicht amüsiert, uns aber zumindest

die Hände wärmte. Doch es half alles nichts und es kam wie es kommen musste, wenn man stundenlang durch

den Regen fährt. Zuerst machte sich das Halstuch bemerkbar, weil der vom Helm abtropfende Regen direkt von

dem Gewebe aufgesogen wurde. Da das Halstuch unter der Lederjacke Kontakt zum T-Shirt hatte, wurde auch die-

ses zunehmend feuchter und die Nässe breitete sich kontinuierlich aus.

Zum Glück hielten die Nähte der Regenkombis dicht und ließen kein Wasser hindurch. Aber der abtropfende Regen

an den Hosenbeinen durchnässte langsam und stetig die dicken, angeblich wasserdichten, Lederstiefel. In den Pau-

sen quatschten die Füße beim Gehen in den komplett durchweichten Socken.

     

Der zweite Tag hat uns also mit allen Kräften gezeigt, wie Motorradfahren eben auch sein kann. Zumindest hat die

Regenkleidung dabei gezeigt, dass sie dicht hält. Wenigstens etwas.

Da wir auf unserem Weg durch den schönen Ort Znojmo kamen, legten wir einen Zwischenstopp ein. Auf einem

ehemaligen Werksgelände war in einem kleinen Museum ein liebevoll zusammengestellter Querschnitt durch die

motorisierte Geschichte Südböhmens zu sehen. Ausgestellt waren Dampfmaschinen, Motorräder und Autos

tschechischer Bauart. Für uns in jedem Fall eine gute Gelegenheit, dem Regen eine Weile zu entkommen und uns

die Raritäten aus nächster Nähe zu betrachten. Die Stimmung stieg wieder und wir konnten uns beim Rundgang

ein wenig aufwärmen.

     

Aber jeder Museumsbesuch ist irgendwann auch einmal zu Ende und für uns bedeutete das: Zurück in die Regen-

klamotten und weiter Richtung Slowakei. Es ging also weiter, immer geradeaus entlang von Wäldern, über einsam

gelegene Hochplateaus auf denen uns der Seitenwind ordentlich zu schaffen machte. Jeder entgegenkommende

LKW zog nicht nur eine ordentliche Gischtwolke hinter sich her, die uns kurzzeitig die Sicht nahm, sondern blies uns

auf den schmalen Straßen im Vorbeifahren durch seinen Winddruck auch jedesmal fast in den Seitenstreifen.

So näherten wir uns allmählich der slowakischen Grenze und erreichten am späten Nachmittag Trencin, eine

55.000 Einwohnerstadt im Zentrum des mittleren Waagtals.

Die Geschichte der schönen Stadt reicht nachweislich bis in die Steinzeit zurück und beherbergt im Stadtkern eini-

ge schöne Gebäude und eine imposante Burganlage, die oberhalb der Stadt thront und von der man abends einen

grandiosen Panoramablick über Trencin genießen kann.

Erstaunlicherweise hörte der Regen mit erreichen der Stadtgrenze auf und es kam sogar ein wenig die Sonne durch,

so dass wir nach einem heißen Duschbad trockenen Fußes einen kleinen Stadtspaziergang unternehmen konnten.

Wir waren sehr gespannt, wie sich das Wetter am dritten Tag unserer Balkanreise weiter entwickeln würde.

Die Prognosen versprachen zumindest eine Besserung für den nächsten Tag.

                                                                                                                                                                                 3. und 4. Etappe

 

 

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