Balkanreise
Vorbereitung
1,/2. Etappe
3./4. Etappe
5./6. Etappe
7./8. Etappe
9./10. Etappe
11./12. Etappe
13./14. Etappe
15./16. Etappe
17./18. Etappe

3. Etappe - Immer entlang der hohen Tatra

von Trencin nach Kosice in der Slowakei, ca. 370 km, gesamt 1.110 km

 

   

Am nächsten Morgen war es zumindest trocken. Der Himmel war bewölkt und es sah nicht mehr unmittelbar nach

Regen aus. Wie wir der Wetterapp entnehmen konnten, wanderten die Regenwolken im Laufe des Vormittags wei-

ter nach Osten ab. Wir mussten nur spät genug starten, um diesen, einen kleinen Vorsprung zu lassen und so

konnten wir hoffen, eine trockene Tagesetappe zu absolvieren.

Es gelang uns tatsächlich trocken zu bleiben. Waren wir ein wenig schneller als die Wolken ziehen konnten, haben

wir kurzerhand eine kleine Pause eingelegt und dann ging es weiter Richtung Osten immer entlang der südlichen

Ausläufer der Hohen Tatra, einem Gebirgszug, der den höchsten Teil der Karpaten bildet und als Nationalpark unter

besonderem Schutz als Biosphärenreservat der UNESCO steht.

    

Das Granitgestein der Hohen Tatra ist ca. 315 Mio. Jahre alt und erhielt ihr Aussehen durch Gletscherbewegungen

der Eiszeiten. Von der Ausdehnung reicht die Hohe Tatra zu 1/3 nach Polen und zu 2/3 in die Slowake und erreicht

mit einer Gipfelhöhe des höchsten Berges beachtliche 2.655 m. Über 100 Seen und zahlreiche Wasserfälle sind in

dem streng überwachten und nur kaum mit Fahrzeugen zu befahrenden Naturpark zu sehen.

Fährt man nun wie wir, ostwärts entlang der Hohen Tatra, erreicht man die Zips, eine Landschaft in der nordöst-

lichen Slowakei. Zwischenziel unserer dritten Etappe war ein über 630 m hoher felsiger Travertinkegel auf dem eine

der größten Burganlagen Mitteleuropas thront, die Zipser Burg. Ihre Außenmauer umfassen fast 41.500 qm Fläche

und bieten in dem offenen Gelände einen imposanten Anblick. Mit unseren Maschinen konnten wir weit hinauf bis

zu einem Besucherparkplatz fahren, um  das beeindruckende Bauwerk aus dem 12. Jahrhundert zu bestaunen.

    

Bevor die Burg dort errichtet wurde, war der Burgberg bis zum Ende des 2. Jahrhunderts ein Zentrum der Kelten.

Nach einer ausgiebigen Pause ging es weiter ostwärts bis Kosice, Tagesendziel der dritten Etappe und ca. 90 km

vor der ukrainischen Grenze gelegen. Kosice ist eine lebendige große Stadt mit ca. 240.000 Einwohnern am Fluss

Hornad ganz in der Nähe der ungarischen Grenze.

Die Stadt besitzt auch heute noch eine wichtige Funktion im Ost-West-Verkehr, der Italien und Österreich mit der

Ukraine und Russland verbindet.

Unser Appartement liegt direkt im Zentrum nahe der Altstadt. Schön; aber sehr verschachtelt zu erreichen. Nach-

dem wir uns von der Reise ausgeruht hatten, flanierten wir gutgelaunt durch die Altstadt zum abendlich schön

ausgeleuchteten Elisabeth Dom und bestaunten in einem schön angelegten Park das Farbenspiel des Musik-

brunnens am Staatstheater.

    


 

4. Etappe - Die Karpaten rufen

von Kosice über Ungarn nach Viseu de Sus in Rumänien, ca. 385 km, gesamt 1.495 km

 

    

Bis auf eine ausgefallene Glühbirne an meiner GS gab es bisher keine Probleme mit den Motorrädern. Die BMWs

liefen wie es nicht besser sein könnte und spulten Kilometer um Kilometer ab. Für uns ein gutes Gefühl ein so zu-

verlässiges Motorrad zu fahren, vermittelte es einem doch irgendwie auch ein sicheres Gefühl auf so einer Reise.

Am vierten Tag also reisten wir bei strahlendem Sonnenschein von Kosice in Ungarn ein und näherten uns gegen

Mittag der rumänischen Grenze. Von Weitem schon sahen wir die LKW-Kolonne auf der rechten Fahrspur und uns

schwante nichts Gutes. Wir ignorierten die LKWs und mogelten uns an ihnen vorbei. Kurz darauf reisten wir völlig

problemlos in Rumänien ein.

    

Das Land hat uns in jeder Hinsicht überrascht. Die Bilder, die man so im Kopf trägt, trafen weitgehend nicht zu.

Überall ist zu spüren, dass Rumänien als Mitglied der EU im Aufbruch ist. Perfekte Hauptstraßen, aufgeräumte

Städte, renovierte Häuser, fast überall herrscht rege Bautätigkeit. Die Menschen in den Städten sind aufgeschlos-

sen, freundlich, die Jüngeren sprechen Englisch, so dass die Verständigung miteinander meistens kein Problem

darstellte. Verlässt man die Hauptachsen und kommt in die Dörfer, findet man allerdings vielfach noch das alte

Rumänien vor. Alte, baufällige Häuser, unbefestigte Straßen und kaum junge Menschen. Diese gehen oftmals in

die Städte oder ins Ausland, um dort ihr Geld für die Familien zu verdienen.

    

Unser Weg führte uns zunächst zu einer Bank in Satu Mare, eine Großstadt mit über 110.000 Einwohnern unweit der

ungarischen Grenze, um Euros in rumänische Lei (RON) umzutauschen. Danach steuerten wir unser erstes Tages-

ziel an: Der fröhliche Friedhof in Sapanta, der von dem Künstler Stan Ioan Patras über Jahrzehnte liebevoll gestaltet

wurde. Inzwischen ist dieser Ort ein reger Publikumsmagnet geworden und zieht eine Menge Touristen an.

Die traditionellen bunten Grabstelen der Gräber sind mit individuellen Bildern versehen, die darstellen, was die oder

der Verstorbene ausgemacht hat. Im Guten wie im Bösen. Da sind teilweise die lustigsten Darstellungen zu sehen

und es macht direkt Spaß zu erraten, welche Aussage hinter den Abbildungen steckt.

    

    

Ein Ort, der auf uns überhaupt nicht wie ein Ort der Trauer wirkte, sondern in der Farbenpracht der Gräber und der

wunderschönen bunten Holzkirche dem Tod etwas natürliches verlieh. Danach ging es weiter tief in die Karpaten

hinein zum „Carpatia Express", ein Zughotel auf dem Gelände der Wassertalbahn in Viseu de Sus.

Ein Schweizer Ehepaar betreibt dort ein Hotel in 2 großen Schlafwagenwaggons mit Speisewagen aus der ehe-

maligen DDR. Dem ganzen Ensemble vorgespannt ist eine große Dampflokomotive der rumänischen Resita Werke.

    

    

Unser Plan war, am darauffolgenden Tag eine Fahrt mit Rumäniens letzter Wassertalbahn zu erleben. Eine Schmal-

spur-Dampflokomotive, die mit alten Waggons dem Fluss tief in die Wälder der Karpaten folgt. Bis heute werden mit

der Bahn Holztransporte aus den riesigen unwegsamen Waldgebieten durchgeführt. Und so quartierten wir uns zu-

nächst in einem der Schlafwagenabteile des „Carpatia Expresses“ ein und wurden am Abend mit einem 3-Gänge-

menü im Speisewagen des Zuges von Brigitte, der Chefin des Hotels, höchstpersönlich auf´s Feinste verwöhnt.

An die Enge in so einem Schlafwagenabteil musste man sich allerdings erstmal gewöhnen. Aber wenn mal geklärt

ist, wer in dem Doppelstockbett oben schläft, erlebt eine urige Nacht in der Nostalgie längst vergangener Zeiten.

    

    

Der nächste Tag war spannend, denn gleich nach dem Frühstück ging es um 9 Uhr mit der Dampflokfahrt los. Vom

Speisewaggon unseres Zughotels konnten wir beim Frühstück die schnaufende und rauchende Einfahrt der Dampf-

lokomotive sehen. Die Waggons standen bereits am Bahnhof und wurden angekoppelt. Thomas und ich ergatterten

einen tollen Fensterplatz, bei dem sich bei Bedarf das Fenster komplett herunterschieben ließ. Der Zug war binnen

weniger Minuten voll besetzt und fauchend und schnaubend nahm die Lok ihre Arbeit auf.

Mit 10 km/h konnte man in der 2,5 stündigen Reise Entspannung üben und die wunderschönen Naturerlebnisse voll

und ganz genießen. Immer tiefer brachte uns die Bahn in die Wälder der Karpaten. Auf halber Strecke wurde ein

Zwischenstopp eingelegt, um alle beweglichen Teile der Lokomotive mit der Ölkanne zu schmieren.

    

Es wurde Holz und Kohle für den Heizer nachgebunkert und dann ging es weiter bis zum Zielbahnhof. Nach einem

Aufenthalt von 1,5 Std. mitten im Nirgendwo, einigen volkstümlichen Tanzvorführungen einer kleinen Tanzgruppe

und einer kleinen Stärkung mit rumänischen Spezialitäten, ging es auf derselben Strecke wieder 2,5 Std. zurück.

War die Hinfahrt noch mit einigen Berganfahrten versehen, war die Rückfahrt das Gegenteil davon und der Bremser

hatte auf den Waggons mit der Handkurbel schweißtreibende Arbeit zu leisten, um die Fahrt der einzelnen Waggons

zu verzögern.

    

Spät am Nachmittag erreichten wir wieder unser Zughotel und die Gerüche der Dampflokfahrt aus Rauch, Wasser-

dampf, Eisen und Öl hing uns noch lange in der Nase.

Brigitte hatte uns auch an diesem Abend ein tolles Menü vorbereitet und verzauberte uns mit ihren selbstgemach-

ten Köstlichkeiten. Abschließend gab es dann noch Hochprozentiges: Einen selbstgebrannten Tuica (traditioneller

Pflaumenbrand) der uns zur nötigen Bettschwere verhalf.

                                                                                                                                                                               4. und 5. Etappe

 

 

Besucherzaehler