Georgien
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Georgien 3. Teil

 

Der nächste Morgen war der Ostersonntag und in meinem Kopf fühlte ich mich "stark verlangsamt". Leider musste
ich sehr früh aufstehen, da es in den großen Kaukasus, in Richtung russische Grenze ging. Aber im Bus konnte
man ja ein wenig schlafen.

Die Fahrt verlief leider bei sehr ungünstigen Wetterverhältnissen. Mit einem Kleinbus ging es die alte Heerstraße
nördlich von Tiflisi in Richtung russische Grenze.

   

Je weiter man vorankam, desto mehr russische Fahrzeuge kamen einem entgegen. Knapp 50 km hinter Tiflis liegt
an einem großen Stausee die Festung Ananuri aus dem 17. Jahrhundert.
Viele Kirchen wurden regelrecht zu Festungen umgebaut und mit Mauern und Zinnen umgeben. Von Ananuri wur-
de den persischen und osmanischen Angriffen getrotzt und so das strategisch wichtige Aragwital kontrolliert.

    

Tiflis selbst war immer wieder unter wechselnder Herrschaft, da es an einem Knotenpunkt verschiedener Karawa-
nenstraßen lag. Das weckte bei vielen Herrschern natürlich Begehrlichkeiten. Die Fahrt führte uns weiter auf der
Heerstraße gen Norden. Auf 2.200 m Höhe war dann leider Schluss. Schlechte Sicht und 3 m Schneeverwehun-
gen ließen ein Weiterkommen nicht mehr zu. Leider konnte ich so auch keinen Blick auf die 5.000er des großen
Kaukasus werfen. Alles war wolkenverhangen und so mussten wir umkehren.

   

Die Passstraßen sind teilweise in einem sehr desolaten Zustand, so dass sehr langsam gefahren wird, um sich kei-
ne Achsschäden oder Ähnliches zu holen. Die Schlaglöcher sind teilweise riesengroß, gefüllt mit Wasser und man
sollte besser nicht da durchfahren, da es immer schlecht einzuschätzen ist, wie das endet...

Na ja, immerhin haben wir den großen Kaukasus gesehen, was ein großer Wunsch war und ein wenig das karge
eben in den Bergdörfern erahnen können.

    

Nach einem Ruhetag in Tiflis ging es am nächsten Tag dann ca. 60 km nordwestlich von Tiflis nach Gori ins Stalin-
museum. Auf der Fahrt dorthin stellt man immer wieder fest, wie
schön das Land ist. Besonders im Sommer, wenn
alles grün ist, muss es in Georgien traumhafte Gegenden geben, die es sicher auch lohnen würde mit dem Motor-
rad zu erkunden...

Der Weg nach Gori begann mit der morgendlicher Metrofahrt in Tiflis zum Treffpunkt, von dem wir uns mit einem
Kleinbus auf den Weg machten. So warm wie es in der vergangenen Woche war, so kalt war es in den letzten bei-

den Tagen geworden. Zudem wehte ein eisiger Wind, der durch Mark und Bein ging. Die Fahrt verlief ziemlich nah
an der südlichen Grenze zu Südossetien.

    
In Georgien gab es 2008 eine kurze, wenige Wochen dauernde, heftige kriegerische Auseinandersetzung mit Russ-
land, um diesen Landstrich, der getrennt durch den großen Kaukasus, nur durch einen Tunnel mit Nordossetien ver-
bunden ist. Beide Seiten behaupten den Krieg angefangen zu haben und er endete so wie er wohl enden musste:
Südossetien ist seitdem von Russland besetzt und streng militärisch abgeriegelt.

   

Ebenso erging es Abchasien ganz im Nordwesten des Landes. Für beide Regionen gilt eine Reisewarnung und es
empfiehlt sich, besser nicht dorthin zu fahren. Der Krieg in Südossetien vor 8 Jahren hat heftige Flüchtlingsströme
innerhalb des Landes ausgelöst und auch in Tiflis war große Sorge, dass russisches Militär sich der Hauptstadt be-
mächtigt.

Die Umklammerung des großen Bruders Russland ist latent im ganzen Land zu spüren und dennoch gibt
es einen Teil der Bevölkerung, der durchaus russlandfreundlich ist. Besonders wenn es Touristen sind, von denen
es hier viele gibt. Das erklärt vielleicht auch, weshalb das Stalinmuseum in Gori, dem Geburtsort von Iosseb Bessa-
rionis dse Dschughaschwili, besonders auch von russischen Touristen stark frequentiert ist. Erst später nannte er
sich Josef Wissarionowitsch Stalin (= der Stählerne).

 

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