Georgien
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Georgien 4. Teil

 

    

Gori ist keine besonders schöne Stadt mit heruntergewirtschafteten Häusern. Man sieht es der Bevölkerung an, dass das Leben hier mit viel
Mühe verbunden ist. Umso mehr fällt mitten in der Stadt das Stalinmuseum auf, vor dessen Haupteingang der gepanzerte Eisenbahnwaggon
Stalins steht, mit dem er nach dem 2. Weltkrieg zu den Potsdamer Verträgen gereist ist.
Stalin hat es vermieden zu fliegen.

         

Das Museum ist von einem Park umgeben, in dem das kleine Geburtshaus steht. Man kann es fast übersehen, da es komplett von einem
tempelartigen Überbau erdrückt wird. Der Haupteingang und das Foyer lassen keinen Zweifel daran, wie Stalin gesehen wird.
Als gebürtiger Georgier war man stolz auf Stalin. Im ganzen Museum findet keinerlei Auseinandersetzung mit den Untaten statt, die ja zwei-
fellos von ihm auch millionenfach begangen wurden.

    

Enteignungen von Land und die damit ausgelöste katastrophale Hungersnot der russischen Bevölkerung mit vielen Toten, gegenseitige
Denunziationen und Anklage innerhalb der Bevölkerung, das Leben in Angst, unter Folter erpresste Eigenbeschuldigungen, Arbeitslager
(Gulags) mit millionen Toten und eine über Jahre ausgelöste starke Depression der gesamten sowjetischen Bevölkerung.
Kein Wort davon in dem Museum. Wie uns gesagt wurde, ist dieser Teil der Geschichte erst jetzt von der jungen Generation als Erweite-
rung des Museums geplant, scheitert aber derzeit an den Finanzen.

    

Das Museum hängt voller Bilder Stalins, seinen politischen Weggefährten, Informationen und Dokumente von seiner Geburt, seinem Wir-
ken bis zu seinem Tode.
Leider alles nur in georgischer Sprache, was ein wenig Verständnisprobleme bei mir hervorrief. Interessant waren auch die Glasvitrinen,
in denen die Gastgeschenke ausgestellt sind, die Stalin von Regierungen aus anderen Ländern erhielt.

    

In einem hinteren Teil des Muse-
ums befindet sich ein etwas abgedunkelter mausoleumsähnlicher Raum, in dem ein Bronzeabguss von Stalins Totenmaske auf einem
Kissen aufgebahrt liegt. Die ehrfürchtige Stille in dem Museum unterstreicht die Bedeutung, die Stalin noch heute in der Bevölkerung ge-
niesst. Das macht schon sehr nachdenklich...

   

Draußen dann wurden wir durch Stalins Eisenbahnwaggon geführt, mit dem er immer unterwegs war. Es gibt darin einen kleinen Speise-
salon, eine Küche mit zwei gusseisernen Küchenherden, in der die Speisen zubereitet wurden, kleine Abteile für die Offiziere bzw. Begleit-
personal und natürlich die privaten Räume Stalins. Ein Abteil mit einem Bett und Schreibtisch und direktem Verbindungsgang zum Wasch-
raum mit Badewanne und Toilette.

Zurück in Tiflis haben wir uns abends mit Freunden über diesen denkwürdigen Tag unterhalten. Stalin wird bei den jungen Menschen heu-
te kritischer gesehen, auch weil er als gebürtiger Georgier sein Geburtsland in die Sowjetunion integrierte. Auch hier wird wieder deutlich,
wie sehr sich Georgien die Unabhängigkeit von Russland wünscht. Ob Abchasien oder Südossetien jemals wieder an Georgien zurück
gegeben werden? Gefühlt hat Georgien da noch einen langen Weg vor sich.

   

Unsere Reise neigte sich langsam dem Ende und ich muss sagen, dass ich mich wieder auf daheim freute. Es ist schon eine andere Welt
bei uns. Am letzten Abend haben uns unsere Freunde gefragt, was wir von dem Land erzählen werden.
Ganz sicher einmal, dass Georgien ein sehr schönes Land ist, dass es sich lohnt zu besuchen und dass dort sehr freundliche Menschen
leben, für die Gastfreundschaft das Höchste ist.
Wie sagte gestern unsere Freundin: "Ein Gast ist für einen Georgier wie ein Geschenk von Gott und so muss er auch behandelt werden."
Das haben wir überall dort gespürt, wo wir in direkten Kontakt mit den Menschen gekommen sind. Für die Zukunft bleibt Georgien zu
wünschen, dass eine stabile Regierung dafür sorgt, dass der Wunsch zur Veränderung Realität wird und den Menschen bei der Umset-
zung auch wirklich konstruktiv hilft. Es gibt an allen Ecken und Enden jede Menge zu tun.

     

Zum Abschluss der Reise wollte ich noch einmal "Tiflis bei Nacht" erleben, was ein besonderes Erlebnis ist. Abends sind die Menschen
in den Straßen und Lokalen unterwegs und die Stadt kommt zur Ruhe.

Die Tage in Georgien waren schön und ich habe mal eine ganz andere, mir bisher unbekannte Welt kennengelernt. Besonders war
sicherlich, dass wir eine Freundin in Tiflis hatten und jetzt sogar noch ein paar weitere Bekannte dazu gekommen sind. Man bekommt
dann einfach einen anderen Bezug zu der Region, zu den Menschen, die dort leben, und kann mit Begriffen wie Ossetien, Abchasien
oder auch den Nachbarländern Aserbaidschan und Armenien etwas anfangen.
Georgien ist eine Reise wert und die vielfältigen Eindrücke hinterlassen Spuren. Natürlich haben uns unsere Freunde eingeladen bald
wiederzukommen.

      

Der Höhepunkt wäre natürlich, das Land mal mit dem Motorrad zu erkunden. Das wäre ganz sicher noch mal ein ganz anderer Blick-
winkel. Ich habe mir vorgenommen mich damit mal näher zu beschäftigen.
Eine geführte Motorradtour mit Dnjepr-Gespannen, das wäre
doch mal was...

      

 

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