Balkanreise
Vorbereitung
1,/2. Etappe
3./4. Etappe
5./6. Etappe
7./8. Etappe
9./10. Etappe
11./12. Etappe
13./14. Etappe
15./16. Etappe
17./18. Etappe

5. Etappe - Eine Fahrt durch Täler und Wälder

von Viseu de Sus zur Bicaz-Schlucht nach Lacu Rosu in Rumänien, ca. 270 km, gesamt 1.765 km

 

Bei strahlendem Sonnenschein brachen wir unmittelbar nach dem Frühstück auf und machten uns auf den Weg

zum „Roten See" ein natürlicher Stausee in der Nähe der Bicaz-Klamm, der durch Eisenoxide manchmal eine röt-

liche Färbung erlangt. Mit einer Fläche von 115 ha liegt der 8 km lange See auf fast 1.000 m Höhe über dem Mee-

resspiegel und beeindruckt mit seiner klaren, subalpinen Luft, die immer häufiger Touristen anzieht.

Leider war zu unserer Zeit die Straße entlang des Sees in einem trostlosen Zustand. Viele Abschnitte waren auf-

gerissen, grob geschottert und es herrschte gemächliche Bautätigkeit. Das Schild, das uns eigentlich die Durch-

fahrt untersagte, ignorierten wir einfach und durchquerten fortan Baustellenpiste an Baustellenpiste.

    

    

Wahrscheinlich war es der zivile Ungehorsam, der zur Strafe den rechten Gabelsimmering meiner BMW bei den

Straßenverhältnissen zum Aufgeben zwang, jedenfalls zeigten sich immer deutlichere Ölspuren am Standrohr

und perlten beständig auf der Staubkappe des Tauchrohres ab. Da dabei leicht auch Gabelöl auf die darunter lie-

gende Bremsanlage gelangen konnte, war das also eine Angelegenheit, die ich besser im Auge behalten sollte.

    

Unsere Fahrt verlief durch verschlafene kleine Ortschaften direkt am See gelegen, die sich aber in Zukunft sicher

einmal zu Touristenorten entwickeln werden. Gegen Mittag erreichten wir die Bicaz-Schlucht, mit über 100 m hohen

Felswänden, die sich rechts und links entlang der Straße aufbauen. Die Schlucht befindet sich am gleichnamigen

Ort und ist Teil der Ostkarpaten und damit der östlichste Teil unserer Balkanreise. Die Durchfahrt verlief entlang

der Klamm und hatte hochalpinen Charakter. Uns gefiel das so gut, dass wir die Schlucht, nachdem wir uns in Lacu

Rosu in einfachen, einsam gelegenen Holzhäuschen einquartiert hatten, gleich noch ein zweites Mal besuchten.

    

Das Abendessen am See war einfach, es gab Palatschinken, und nach der obligatorischen Streckenvorbereitung für

den nächsten Tag, verschwanden wir relativ schnell in unseren Betten unter den warmen Daunendecken. Die waren

auch nötig, denn am nächsten Morgen zeigte das Thermometer 7° Celsius an. Ungewöhnlich kalt für uns, wurden

wir doch die letzten Tage mit Temperaturen um die 30 Grad verwöhnt.


 

6. Etappe - Transsylvanien, Graf Dracula lässt grüßen

von Lacu Rosu nach Corbi in Rumänien, ca. 380 km, gesamt 2.145 km

 

    

Ohne Frühstück brachen wir auf und froren das erste Mal auf unserer Reise. Der Herbst war deutlich spürbar an

diesem Morgen und wir bekamen einen leichten Eindruck davon, wie kalt es im Winter in den Karpaten sein wird.

Unsere Weiterreise führte uns am 7. Tag ins Zentrum Rumäniens, nach Siebenbürgen. Eine Gegend um die man

eigentlich nur schwer umhin kommt, begegnen einem doch hier die Geschichten und Legenden um den Grafen von

Schloss Bran in Transsylvanien. Auch wenn dieser dort eigentlich gar nicht gelebt haben soll, ist das alte Gemäuer

von dem geheimnisvollen Hauch blutsaugender Kreaturen umgeben. Zumindest von außen. Von innen kann man

sich vor Touristen wohl kaum retten und so haben wir uns einen näheren Besuch der Räumlichkeiten des Grafen

Dracula tunlichst verkniffen.

In Brasov, der Stadt von Schloss Bran, dreht sich alles um diese unsterblichen Geschichten und verhilft der Stadt

spürbar zu ganz erträglichen Einnahmen. Jedenfalls gibt es dort den Grafen in allen erdenklichen Variationen, als

Bildchen, Schlüsselanhänger oder auch als Figur in unterschiedlichsten Größen zu kaufen.

Nach der obligatorischen Pause führte uns unsere Fahrt durch die „Große Walachei“ der Südkarpaten in den Ort

Corbi, was übersetzt soviel wie „Steinerner Rabe“ bedeutet. Bisschen unheimlich sind die Namen ja schon in der

Gegend von Dracula.

    

Unsere Pension war allerdings nicht unheimlich, die war vom Feinsten. Alles neu renoviert. Marmortreppen mit

Edelstahlgeländer, tolles Zimmer, tolles Bad, das große Haus frisch verputzt und gestrichen und der Hof mit bun-

tem, glänzend poliertem Natursteinmosaik gepflastert.

Wieder eines von den Häusern, wie wir sie in Rumänien eigentlich nicht erwartet hatten. Schon gar nicht auf dem

Dorf. Beiläufig wies uns die überaus freundliche Pensionswirtin auf eine unmittelbar neben unserer Zimmertür

kopfüber an der Hauswand hängende Fledermaus hin. Was für ein Zufall. Eine Fledermaus im Reich von Graf Dra-

cula. Na, das konnte ja heiter werden…

    

Um es vorweg zu nehmen: Es ist nichts Blutsaugendes passiert und unsere Eckzähne haben dieselbe Größe behal-

ten, wie zum Beginn der Reise. Auch hatte keiner von uns am nächsten Morgen irgendwelche Biss-Spuren am Hals.

Dafür lag uns aber das kalorienreiche Dinner des Vorabends am Morgen umso schwerer im Magen oder lag es wo-

möglich an den selbstgebrannten traditionellen Pflaumenschnäpsen, die uns quasi von der Mutter der Wirtin auf-

gedrängt wurden? Man wird es nicht mehr klären können.

Jedenfalls haben wir das ebenso kalorienreiche Frühstück mit glänzendem Speck und fetter Räucherwurst am

nächsten Morgen weitgeend unbeachtet gelassen. 

                                                                                                                                                                              7. und 8. Etappe

 



 

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