Balkanreise
Vorbereitung
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7. Etappe - Der Bär und die Transfagarasan-Hochstraße

von Corbi nach Polovragi in Rumänien, ca. 415 km, gesamt 2.560 km

 

    

Am 8. Tag machten wir uns auf den Weg zu einem weiteren Höhepunkt unserer Reise, der Transfagarasan Hoch-

straße. Bei 90 km Länge, vielen Kurven, engen Serpentinen und grandiosen Bergwelten ist sie ein Eldorado für

kurvenbegeisterte Motorradfahrer. Bevor wir uns aber morgens auf den Weg machten, haben wir am Abend vor-

her noch meinen inzwischen doch deutlich mehr ölenden Gabelholm „verarztet".

Durch den Telelever der BMW, spielt die Federung der Gabelholme glücklicherweise nur eine untergeordnete

Rolle und so wurde oberhalb des Tauchrohres kurzerhand ein Putzlappenstreifen mehrmals um den Holm ge-

wickelt und mit zwei Kabelbindern so fixiert, dass kein Öl auf die Bremsanlage gelangen konnte. Das hat dann

auch tadellos bis zum Ende der gesamten Reise gereicht.

Der Tag begann damit, was jedem Reisenden irgendwann mal passiert. Wir haben uns auf dem Weg zur Hoch-

straße hoffnungslos verfahren. Gemerkt haben wir es erst, als wir schon kilometerweit von unserer Route abge-

kommen waren und die gut befestigte Straße erst zu einem  „Patchworkweg“ wurde, danach sich dann immer

schmaler zu einer tiefen Schlaglochpiste entwickelte, bis sie zuletzt als Geröllpiste endete, wenn diese Bezeich-

nung überhaupt noch zutreffend war. Die Dörfer wurden immer armseliger und die Gegend erschien uns immer

verlassener. Umdrehen war nicht mehr möglich und so machten wir uns weiter daran, der Geröllpiste zu folgen,

die im Wesentlichen aus faustgroßen Steinen bestand. Unsere schweren Motorräder darüber zu bewegen, war

nur im ersten Gang und mit wenig Gas machbar.

    

Viel schlimmer aber waren die Begegnungen mit den streunenden und völlig verwilderten Hunden, denen wir übri-

gens in ganz Rumänien überall begegnet sind. Ich hab sie gezählt. 10 Hunde gingen an diesem Morgen unvermittelt

auf uns los, schossen aus dem Gebüsch und jagten einem einen Mordsschreck ein. Und dann, Thomas fuhr gerade

vor mir in einer schwierigen 90 Grad-Kurve, sah ich im linken Augenwinkel etwas großes, zotteliges heranjagen.

Ein Riesenvieh von einem Hund. Groß wie ein Kalb. In gestrecktem Lauf rannte er auf Thomas zu und sprang mit

einem Riesensatz zähnefletschend in die BMW.

Doch Thomas hatte Glück, denn das Monstrum verfehlte das Motorrad nur knapp und hätte ihn sicher bei einem

Volltreffer mitsamt Motorrad umgeschmissen. Glück gehabt. Da ich leider hinter Thomas fuhr, war ich ja nun wohl

als nächster dran, was der Hund auch so sah. Sofort hechtete er auf mich zu und zum Glück hatte ich bei vorhe-

rigen Hundebegegnugen festgestellt, dass ein aufjaulender Motor für einige rettende Schrecksekunden sorgen

kann. Ich zog also die Kupplung, riss das Gas auf und … es funktionierte. Der Hund verharrte kurz in der Bewe-

gung und ich konnte die Sekunden zur Flucht nutzen. Zum Glück setzte er nicht hinterher. Meinen Herzschlag

hatte ich darauf hin an Stellen gespürt, wo eigentlich kein Herz sein konnte. War das ein Schreck. Mit dem Fahrrad

hätte ich dem nicht begegnen wollen.

    

Die Ortschaften die wir durchquerten waren so ärmlich, dass es kaum vorstellbar war, dass die Häuser noch be-

wohnt sein konnten. Die Wege waren bestenfalls mit dem Esel oder zu Fuß bezwingbar. Autofahren wäre unmöglich

gewesen. Nach einigen weiteren, etwas harmloseren Hundeatacken erreichten wir nach einer gefühlten Ewigkeit

wieder befestigte Wege und kamen in Dörfer, die etwas mehr Leben zeigten. Leider waren wir an dem Südeingang

der Transfagarasan inzwischen längst vorbei und so entschlossen wir uns die Gelegenheit zu nutzen und durch den

Cozia Nationalpark über Ramniu Valcea in Richtung Nordeingang zu fahren.

Die kurvige Straße, tief im Tal entlang des Flusses Olt war in einem so perfekten Zustand, dass allein die Anfahrt

zur Transfagarasan ein Erlebnis war.

Wie schon so oft hat uns Rumänien auch an diesem Tag wieder durch seine wechselnden, immer wieder auf´s neue

überraschend schönen Landschaften und Bergwelten beeindruckt. Und so näherten wir uns immer mehr dem Nord-

eingang der unter Motorradfahrern beliebten Hochstraße. Kurz vor dem Pass noch einmal vollgetankt, gingen wir

die Transfagarasan an. Am Ende schraubt sie sich in engen Serpentinen bis auf 2.042 m Höhe. Leider war Sonntag

und wir hatten nicht als einzige die Idee, die Hochstraße zu fahren. Es war also ziemlich voll und auf der Passhöhe

stauten sich die PKWs in langen Warteschlangen. Glück, wer ein Motorrad hatte und sich somit nicht unbedingt

einreihen musste. An einem Haltepunkt mit schönem Panoramablick kurz vor dem Gipfel passierte dann das, was

irgendwie auf einer Motorradreise wohl dazu gehört. Thomas kippte beim Bremsen auf der geschotterten Halte-

bucht seine GS weg und da war nichts mehr zu halten. Der hohe Schwerpunkt ist da nicht unbedingt von Vorteil

und da lag sie nun auf der rechten Seite. Beim Aufrichten sprangen sofort 2 hilfsbereite Rumänen aus ihrem Auto

und zu viert hievten wir die vollbepackte BMW wieder auf ihre beiden Räder. Thomas hatte Glück im Unglück und

musste nur einen abgebrochenen Blinker beklagen. Sonst war an dem Motorrad nichts passiert. Die Alukoffer, der

Sturzbügel und der breite Lenker hatten Schlimmeres verhindert.

    

Die Hochstraße nahm kein Ende. Den halben Tag lang kurvten wir Kilometer um Kilometer durch die Bergwelt und

je weiter wir auf der anderen Seite wieder runter kamen, wechselte diese in dichte Laubwälder.

Unmittelbar nach einer Linkskurve standen plötzlich und unerwartet drei tschechische Motoradfahrer mit ihren

Maschinen mitten auf der Straße. Wir glaubten unseren Augen nicht zu trauen. Stand da doch direkt 3 m vor uns

ein ausgewachsener Karpatenbär und fraß gemütlich die Überreste eines totgefahrenen Tieres vom Asphalt. Mit

laufenden Motoren harrten wir respektvoll der Dinge und warteten ab was wohl als nächstes passieren würde.

Aber alles ging gut. Vollgefressen trottete der Bär nach seiner Mahlzeit in unsere Richtung, unser Pulsschlag er-

höhte sich kurzzeitig noch einmal, die Augen weiteten sich und der Bär verschwand 2 m neben meinem Motor-

rad im Gebüsch. Was für einErlebnis. Das wir einen Braunbären in freier Wildbahn so aus der Nähe betrachten

konnten, daran hatten wir nie zu glauben gewagt. Gewagt haben wir allerdings auch nicht die Kamera aus der

Tasche zu ziehen. Uns waren die Hände am Kupplungshebel und am Gasgriff in der Situation lieber. Somit gibt

es von diesem Erlebnis leider keine Fotos.

Müde und noch unter den vielen Eindrücken des Tages stehend, erreichten wir unser Domizil in Polovragi, ein klei-

nes Bauerndorf etwas abgelegen von der Hauptstraße. Nachdem wir unser Zimmer bezogen hatten, saßen wir

bald frisch geduscht bei einem kräftigen Abendessen und verarbeiteten die Erlebnisse des Tages. Vor dem

Schlafengehen wurde dann noch wie immer die Route für den nächsten Tag geplant.


 

8. Etappe - Die Transalpina, Kurve an Kurve und es hört nicht auf

von Polovragi zum „Eisernen Tor“ nach Drobeta Turnu Severin in Rumänien, ca. 345 km, gesamt 2.905 km

Es gibt zwei alpine Hochstraßen, die der Rumänienreisende auf seinem Motorrad nicht verpassen sollte, liegen

diese doch sogar relativ nah beieinander. Unser Weg der 8. Tagesetappe führte uns an einem Montag also zur

Transalpina Hochstraße, welche die transsylvanischen Alpen durchquert und eine Höhe von 2.132 m erreicht. Mit

einer Länge von 148 km führt die ebenfalls kurvenreiche Passstraße durch stille, fast unberührte Naturlandschaf-

ten, wobei sich die Vegetation meistens als baumlose, ockerfarbene Graslandschaft präsentiert. Ganz anders also,

als die am Tag zuvor erlebte Transfagarasan.

    

    

Über Novaci erreichten wir den Südeingang der Transalpina und hatten Glück. Wir waren absolut allein unterwegs.

Das Gegenteil vom Tag zuvor. In unzähligen Kurven schraubten wir uns in Richtung Passhöhe immer weiter nach

oben und passierten den kleinen Wintersportort Ranca. Nachdem wir den dann aber hinter uns gelassen hatten,

begegneten wir nur noch einsamen Schafherden, die von ihren Schäfern oft weit entfernt über die Hochebenen ge-

führt wurden. Die vereinzelt zu sehenden Schäfereien waren meist baufällige Hütten, die am Wegesrand der Trans-

alpina ganz sicher nur ein entbehrungsreiches Leben ermöglichten.

    

Für mich war diese Hochstraße eine der schönsten Pässe, die ich mit dem Motorrad befahren habe. Wilde Natur,

rauschende Bachläufe und die unendlichen Weiten der Hochebene oberhalb der Baumgrenze. Ein Traum. Und wir

hatten Glück, denn nachdem wir die Transalpina gefahren sind und an dem Stausee Obarsia Lotrului eine Kaffee-

pause eingelegt hatten, entwickelte sich die Weiterfahrt immer mehr zu einer ähnlichen Geröllpiste wie am Tag zu-

vor. Das wollten wir nicht noch einmal und beschlossen, die schöne Transalpina einfach wieder zurück zu fahren.

Somit kamen wir also zweimal in den Genuss dieser schönen, an diesem Tag sehr einsamen Hochstraße und er-

reichten am späten Nachmittag erneut den bereits am Morgen durchquerten Ort Novaci, indem wir uns dann erst-

mal eine leckere warme Mahlzeit gönnten.

    

Gegen Abend erreichten wir unser Etappenziel, das „Eiserne Tor“ ein großes Wasserkraftwerk an der Donau, die in

dem Bereich über viele Kilometer Grenzfluss zu Serbien und Bulgarien ist.

Das in die Jahre gekommene Hotel in der rumänischen Grenzstadt Drobeta Turnu Severin, hat uns von allen auf der

Reise erlebten Quartieren am wenigsten gefallen. Zu groß, zu abgewohnt, verstaubte Kronleuchter überall, ein

Essenssaal für 300 Personen und unsaubere Zimmer mit Betten, bei denen man nicht sicher war, ob in der Bettwä-

sche nicht schon einige vor uns geschlafen hatten. Abgesehen davon haben wir im Zimmer obendrein dann noch

die halbe Nacht Stechmücken gejagt.

   

 

                                                                                                                                                                            9. und 10. Etappe

 

 

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