Balkanreise
Vorbereitung
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9. Etappe - Eine Reise durch Serbien

von Drobeta Turnu Severin nach Leskovac in Serbien, ca. 350 km, gesamt 3.255 km

 

     

Irgendwie pendelten sich die meisten unserer Tagestouren auf 320-350 km ein. Etappen, die für uns gut machbar

waren und uns am Nachmittag und Abend bei Bedarf noch genug Zeit ließen, die Orte zu erkunden. Thomas und

ich sind inzwischen ein gut eingespieltes Team.

Aufstehen war immer so gegen 6:30 Uhr, dann wurden die Sachen gepackt und auf die Motorräder geladen, dann

Frühstück und gegen 8 Uhr war Abmarsch. Die 9. Tagesetappe sollte uns gleich in zwei Länder führen. Über das

Bauwerk „Eisernes Tor“ verließen wir Rumänien und passierten den Grenzübergang nach Serbien.

    

Die Landstriche in Serbien zeigten sich uns in spätsommerlichen von ockertönen geprägten Farben. Da wir Ser-

bien lediglich als Durchreiseland nutzten und somit keine besonderen Ziele hatten, machten wir noch einen Ab-

stecher über Bulgarien. Ein Land, dass wir so auch erwartet hatten. Der Grenzübertritt nach Bulgarien verlief pro-

blemlos und kurz danach entwickelten sich die Straßen in unzählige, mehrfach geflickte Holperpisten.

Da wir dieses Land allerdings nur in einem kleinen Teil befahren haben, kann ich nicht beurteilen, ob der von uns

erlebte Straßenzustand sich überall in Bulgarien so zeigt. 

   

Gefühlt sind in Bulgarien jedoch noch deutlich Spuren vergangener Zeiten spürbar und die Dörfer wirken nicht nur

alt und verlassen, sondern machen auch einen grauen und trostlosen Eindruck. Es ist zu wünschen, dass auch

Bulgarien so „auf die Beine kommt“, wie wir es in Rumänien vielerorts erlebt haben. Als Mitglied der EU ist dazu

sicher schon einmal ein wesentlicher Grundstein gelegt. Die Wiedereinreise in Serbien dann noch am selben Tag

verlief ebenso problemlos und wir fuhren mit unseren Motorrädern durch kleine Ortschaften in die schöne Stadt

Leskovac am kleinen Fluss Veternica gelegen. Mit über 70.000 Einwohnern hat die Stadt eine schöne Größe und

uns ist gleich das pulsierende Leben aufgefallen. Sehr viele junge Leute auf den Straßen, moderne Geschäfte

und die Verständigung war problemlos auf Englisch machbar.

     

Schwierig war es hingegen am Abend ein geöffnetes Restaurant zu finden. Die Wegbeschreibungen die wir erhiel-

ten, passten so gar nicht oder führten in eine Bar, die jedoch nichts zum Essen anbot. Nach langer ergebnisloser

Suche landeten wir letztendlich in einem Imbiss und aßen die traditionellen Cevapcici, die man ja überall auf dem

Balkan bekommt. Bei einem „Absacker“ in einer Bar ließen wir uns dann noch zu einer Portion Pallatschinken hin-

reißen, der jedoch derart in mit Nougatcreme gesättigt war, dass uns bereits nach 3 Bissen enorme Fülle und Bett-

schwere erreichte.

     

Also ging es zu Fuß zurück zu unserem kleinen Hotel, das nicht nur neu und sehr modern eingerichtet war, sondern

in dem wir auch von dem jungen Hotelehepaar überaus freundlich und zuvorkommend behandelt wurden. Wie in

den bereits durchreisten anderen Ländern des Balkan war für uns auch in Serbien spürbar, dass sich die Städte zu

modernen Zentren mit vielen jungen und freundlichen Menschen entwickeln. Im Hotel angekommen planten und

besprachen wir dann noch die nächste Tagesetappe, bevor die Nachtruhe eingeläutet wurde.

    


 

10. Etappe - Eine Reise durch den Kosovo nach Mazedonien

von Leskovac nach Lagadin in Mazedonien, ca. 390 km, gesamt 3.645 km

 

Weit über 3.000 km waren wir nun schon unterwegs und es kam noch keine Müdigkeit auf. Die Stimmung konnte

nicht besser sein, das Wetter war hervorragend und die Motorräder liefen problemlos. Was will man mehr auf solch

einer Reise. Das heutige Ziel war der berühmte Ohridsee, einer der ältesten Seen der Erde und der zweitgrößte

See der Balkanhalbinsel. Größtenteils in Mazedonien gelegen, ein kleiner Teil gehört zu Albanien, ist der Ohrid-

see ein beliebtes Ausflugsziel und touristisch gut erschlossen. Als südlichstes Ziel unserer Balkanreise wollten

wir am Ohridsee einen Tag pausieren, bevor wir uns wieder über Albanien nordwärts bewegten.

     

Nachdem wir Leskovac verlassen hatten, fuhren wir schnurstracks Richtung Kosovo. Die angespannte Stimmung

beider Länder war bereits am Grenzübertritt für uns spürbar. Die deutlich in die Jahre gekommene Grenzstation in

Serbien unterschied sich enorm von der 100 m entfernten, modernen Grenzstation des Kosovo. Unsere Ausreise

aus Serbien gestaltete sich so, dass wir erstmals an der Grenze aufgefordert wurden von unseren Motorrädern

 abzusteigen und die Koffer für Stichproben zu öffnen. Auch war der Kontakt mit den Grenzern wenig freundlich,

sondern eher kurz und knapp.

     

Ganz anders die Einreise in den Kosovo. Die schick uniformierten Grenzbeamten unterhielten sich freundlich auf

Englisch mit uns und interessierten sich sehr für die Motorräder. Da die Grüne Versicherungskarte im Kosovo nicht

gültig ist, mussten wir eine befristete Landesversicherung für unsere Motorräder abschließen. Die Kosten von 10

Euro waren akzeptabel. Nach einem längeren Plausch über unsere Reise und die noch anzusteuernden Ziele wa-

ren wir eingereist. Gleich nach der Grenze und dann auch in den Ortschaften, die wir durchfuhren, fielen uns die

schönen Moscheen mit ihren hohen, weit sichtbaren Minaretten auf.

     

Bemerkenswert war die Fahrt durch die Haupstadt des Kosovo. Pristina ist eine sehr lebendige Stadt und mit über

145.000 Einwohnern die größte Stadt des Landes. Auf den Straßen herrscht ein reger Autoverkehr und als wir die

Stadt dann gen Süden in Richtung Mazedonien verließen, bin ich noch nie zuvor an so unendlich langen Gewer-

begebieten vorbei gefahren. Es nahm einfach kein Ende und die Durchfahrt gestaltete sich bei dem hohen Verkehrs-

aufkommen sehr zäh und anstrengend. Erst als wir uns dann rechts in die Berge „schlugen“ kamen wir auf kurven-

reichen und schönen Straßen endlich besser voran und erreichten am frühen Nachmittag die Grenze nach Nord-

mazedonien.

     

Der Tag wurde immer heißer und in einem kleinen Ort, ca. 100 km vor dem Ohridsee, hielten wir mit unseren BMWs

für eine kleine Erfrischungspause vor einer neuen großen, weißen Moschee, die ich zudem auch fotografieren woll-

te. Die Pause endete erst nach 2 Stunden denn kaum hatten wir unsere Motorräder abgestellt, lernten wir die Gast-

freundschaft der Mazedonier kennen. Thomas wurde gleich auf deutsch angesprochen, in eine Bar gesetzt und

bekam kalte Getränke und einen Cafe serviert, ich hingegen erhielt auf deutsch eine komplette Führung durch alle

Räumlichkeiten der Moschee und dabei auch die Information, dass die Moschee ausschließlich aus privaten Spen-

den gebaut wurde. Das läuft bei uns in Deutschland mit unseren Kirchen da ja schon ein wenig anders…

     

Im Anschluss mussten wir den Herren an der Moschee noch versprechen, ja nicht wegzufahren, bevor sie aus der

Moschee zurück sind und ihr Nachmittaggebet beendet hatten. Und so saßen wir beide dann in der Bar, der Tisch

voller Getränke und warteten auf das Ende der Zeremonie, damit wir noch alle bei einem Plausch ein wenig

zusammensitzen konnten. An diesem Nachmittag haben wir kein einziges Getränk bezahlen dürfen.

Von allen Seiten wurden wir freundlich eingeladen, selbst der Arzt der Stadt vom Nachbartisch ließ uns eine selbst-

gemachte eiskalte Limo bringen und hätten wir am Ohridsee nicht längst unser Hotel gebucht, wäre für uns sicher

noch groß aufgekocht worden.

     

Weglassen wollten sie uns jedenfalls an dem Nachmittag nicht mehr. Wir erlebten in dem Ort eine Gastfreundschaft

von uns völlig unbekannten Leuten, die mich schon ein wenig nachdenklich gemacht hat. In Deutschland erlebt

man da ja leider gerade vielfach Gegenteiliges.

Nachdem wir uns überschwänglich verabschiedet hatten, erreichten wir gut 2 Stunden später unser Etappenziel,

den kleinen Ort Lagadin direkt am Ufer des Ohridsees. Wir bezogen eine komfortable Hotelsuite mit Couchgarnitur,

kleiner Küchenzeile, 2 Doppelbetten mit Bad und Balkon und hoteleigenem Pool. Für einen eintägigen Zwischen-

stopp war das ein ungewohnter Luxus unserer Reise.

 

                                                                                                                                                                          11. und 12. Etappe

 

 

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