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die Bergung

 

     

Als mich die Nachricht über seinen Absturz per Helmsprechanlage erreichte, war ich gerade dabei meine gesamte
Konzentration einem relativ großen Steinbrocken vor mir auf dem Weg zu schenken. Ich dachte zunächst an einen
Scherz, bevor mir der Ernst der Lage klar wurde.

Helmut und Günter waren schon hinter der nächsten Wegbiegung verschwunden und so stand ich also da, auf ei-
nem 80 cm breiten Pfad, der ein Umdrehen der 'NVA' schlicht unmöglich machte. Also Seitenständer 'raus und ab-
gestiegen.
(Wenn der dann auch noch weggebrochen wäre, hätten wir zwei Mopeds aus dem Hang bergen müssen...)
Von Weitem sah ich Thomas unterhalb des Weges, wie er sich mit seiner 'Irak' abmühte. Schnell machte ich mich
zu Fuß zurück zu ihm und stieg vorsichtig den Hang zu ihm 'runter.
Thomas war zum Glück auf den ersten Blick nicht viel passiert. Er konnte allerdings nicht mehr richtig auftreten und
der Schock stand ihm noch ins Gesicht geschrieben. Als erstes versuchten wir beide die 'Irak' aus ihrer ungünstigen
Kopflage zu befreien, was uns auch relativ schnell auf dem unebenen Gelände gelang. Irgendwie schafften wir es 

mit vereinten Kräften sie wieder auf die Räder zu stellen.

Die Schäden beschränkten sich zum Glück auf eine verbogene linke Fußraste, einen verbogenen Schalthebel, der
Lenkerspiegel war abgerissen und der komplette Scheinwerfereinsatz war herausgefallen. Leider war auch die
Kupplungsarmatur an der Schelle gebrochen. Aber es hätte auch schlimmer kommen können.

     

Per Smartphone versuchte ich die anderen beiden zu erreichen…. Kein Empfang. Nun war Warten angesagt. Ir-
gendwann würden Günter und Helmut schon merken, dass wir nicht mehr da sind und so saßen wir beide nun auf
über 2.000 m Höhe im Abhang, ca. 40 m unterhalb des Weges und harrten der Dinge die da kommen.

Thomas hat viel Glück gehabt. Beim Absturz hat er sich geistesgegenwärtig mit einem Sprung in eine Krüppelkiefer
gerettet und hat die MZ beim Sturz sich selbst überlassen, die dann mit mehreren seitlichen Überschlägen den Ab-
hang 'runterflog. Trotzdem hat ihm die 'Irak' oder ein Stein die Ferse und sein Bein so lediert, dass er den Fuß nur
unter Schmerzen belasten konnte. Den Schuh hat er vorsichtshalber nicht ausgezogen, da er nicht wusste, ob er
den je wieder anbekommen würde.

     

Nach einer gefühlten Ewigkeit hörten wir in der Stille Motorengeräusche, die sich langsam näherten. Das konnten
nur Helmut und Günter sein. Sie waren es und machten sich, als sie sahen was passiert war, so schnell es die We-
gesituation zuließ auf den Weg zu uns.
Als Günter bei unserem Vorbereitungstreffen für die Reise sagte, dass wir auf keinen Fall ein Abschleppseil verges-
sen dürfen, haben wir über seinen Einwand noch gelacht. Am Tag vor der Abfahrt erinnerte mich Thomas daran und
ich packte eins ein. Das hatte ich nun in meiner Packtasche dabei. Was für ein Glück.

Um die 170 kg Stahlross zu erleichtern, wurde erstmal sämtliches Gepäck incl. Ersatzkanister entfernt. Es gab nur
eine Möglichkeit die MZ wieder nach oben zu bekommen, indem wir sie flach am Hang entlang, langsam immer
weiter nach oben beförderten. Dazu mußte sie allerdings erstmal um 180 Grad gewendet werden.

Also befestigte Günter ein Ende des Abschleppseils mit einem Karabiner an der Querstrebe des NVA-Lenkers, das
andere Ende wickelte er sich um das Handgelenk. Helmut stand seitlich, schob und führte den Lenker und ich war
hinter dem Moped und hob den Bock Zentimeter um Zentimeter immer weiter herum. 
Wenn auch unter größter An-
strengung, es klappte.

Zentimeter um Zentimeter kamen wir auf die Weise voran, schoben durch Löcher und über Steinbrocken, der
Schweiß lief uns in Strömen und mehrmals standen wir gefühlt kurz vor dem Kollaps.

     

Endlich hatten wir es fast geschafft. Das letzte Stück war jedoch so steil, dass wir es ohne Motorunterstützung nicht
schaffen konnten. Da wir ja eh testen mußten, ob der Motor noch lief, schalteten wir die Zündung ein, öffneten den
Benzinhahn, legten den Leerlauf rein, kickten 5 mal und… der Motor lief.
Erleichterung machte sich breit und mit den Fragmenten des Kupplungsgriffes, den wir mit mehreren Kabelbindern
notdürftig geflickt hatten, erklomm die 'Irak' brav knatternd die letzten Meter.

Während Günter wieder die abgebauten bzw. verlorenen Teile an der 'Irak' befestigte, half Helmut mir mein Motorrad
zu holen. Wenden ging auf dem Pfad nicht, also wurde sie so lange rückwärts geschoben, bis sich eine Wendemög-
lichkeit ergab. Thomas' Fuß sah gar nicht gut aus und wir überlegten, wie wir am Besten wieder zurück kommen.
Am Ende nahm Thomas die leichtere GS von Günter und Günter fuhr die 'Irak' vom Thomas.

Die Rückfahrt gestaltete sich genauso schwierig wie die Hinfahrt. Als wir sahen, welch steilen Pisten wir auf dem
Rückweg nehmen mußten, wurde uns ganz anders. Auf dem Hinweg waren uns diese Steigungen gar nicht so auf-
gefallen, da wir überwiegend leicht bergab fuhren. Nun mussten wir aber zurück.

Wir warteten also beim Erklettern der Höhen immer solange bis der Vodermann oben angekommen war, um ja
nicht am Berg mit unseren Maschinen zu "verhungern".

     

Thomas fuhr als Erster, dann Günter, dann Helmut und zum Schluß ich. So nahmen wir Höhenzug um Höhenzug.
Nach einer gefühlten Ewigkeit waren wir wieder am Monte Saccarello angelangt und gönnten uns eine längere
Pause. Wir waren erschöpft. Die Jacken durchgeschwitzt, lief uns der Schweiß vor lauter Anstrengung sogar im
Helm an den Schläfen herunter.

Die Motoren und Auspuffe knisterten, dann ging es weiter, die Serpentinen hinunter bis zu der Weggabelung, an der
wir uns am Morgen die erste Pause kurz vor dem Aufstieg zum Monte Saccarello gegönnt hatten.
Kleine Pause, Durst löschen und weiter ging es die Südroute zurück bis zu dem Kassenhäuschen, wo die Süd- auf
die Nordroute stößt. Dann weiter bis in das kleine Bergdorf Upega, wo wir uns endlich eine längere Pause in einer
Bar gönnten und ein Bier zischten, danach noch einen Espresso und einen herrlich honigfarbenen, milden, ganz
feinen Grappa.

Der Stoff muss wie ein Katalysator auf uns gewirkt haben, denn als wir zurück zur Unterkunft fuhren, hingen wir uns
hinter einen Geländewagen, der mit 70 Sachen vor uns, die kurvige Bergstraße freiräumte. Wir flogen nur so um
die Kurven und ließen die Maschinen laufen. Die Motoren schnurrten, als sei nichts gewesen...

     

Zurück in Vessalico wurde die 'Irak' noch am selben Abend repariert. Zum Glück hatten wir die richtigen Ersatzteile
dabei.
Die Ironie des Ganzen war, dass Thomas seinen eigenen Abflug mit der Bordkamera gefilmt hatte, was wir
uns abends dann mit dem Beamer gemeinsam ansehen konnten.
Auch die gesamte Bergungsaktion hatte er gefilmt und so konnten wir den Tag noch einmal bei einem bis drei Bier
nachempfinden. Nicht auszudenken was gewesen wäre, wenn Thomas sich die Knochen gebrochen hätte und/oder
die MZ ernstere Schäden gehabt hätte.
In der unwirtlichen Gegend wäre nur eine Hubschrauberbergung möglich
gewesen… 

     

Am nächsten Morgen unternahmen wir nur noch eine schöne kleine Abschlussfahrt durch die örtlichen Bergdörfer
und dann öffnete um 19 Uhr das kleine Lokal „Da Maria“ im Ort extra für uns die Pforten.

Ich hatte in dem kleinen Lebensmittelgeschäft „Aglio“ die nette Italienerin hinter der Käsetheke gefragt und sie hat
das bei dem Inhaber mit einem kleineren Telefonat für uns klar gemacht...

Der letzte Abend wurde lang. 3 Flaschen Wein, 3 Flaschen Wasser, 8 Gänge Antipasti, dann der erste Hauptgang
und dann… haben wir erschöpft nach 2,5 Std. aufgegeben. Es ging beim besten Willen nur noch ein Gelati als
Dessert 'rein. Als wir den Espresso tranken und einen Grappa dazu bestellten, stellte uns der nette Wirt gleich eine
ganze Flasche auf den Tisch….

„Die Gegend ist ein kulinarischer Genuß.“ Früh am nächsten Morgen war Abreisetag und wir verluden unsere Fahr-
zeuge. Mit den Transportern ging es dann auf die 1.000 km lange Rückfahrt.

                                                                                                                                                                      Filme zur LGKS



 

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