LGKS
wie es begann
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Saorge
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die Nordroute

 

     

Da montags und dienstags die Nordroute der LGKS für motorisierte Fahrzeuge gesperrt ist, stand unsere Tour für
den Sonntag fest. H
elmut, unser Koch, hatte hervorragend vorgesorgt und den Kühlschrank mit Leckereien gefüllt,
Getränke waren auch ausreichend da und somit war unsere Versorgungslage für die kommenden Tage gesichert.

Früh um 8 Uhr ging es los. Die Yamaha DT 175 stellte sich als ideales Fahrzeug für derartige Touren heraus und
wirkte gegen unsere NVA-Maschinen fast filigran. Mit ihren 110 kg bot sie zudem enorme Vorteile im Handling. Die
aus der Serien-HuFu (MZ TS 150) umgebaute 
GS hat uns durch die kompakte Bauweise und die hervorragenden
Fahreigenschaften überzeugt. Eine tolle Enduro, die mit 150 ccm und genügend Kraftreserven ebenfalls ideal für
solche Offroadfahrten geeignet war. Mit unseren NVA-Maschinen wirkten Thomas und ich dagegen richtig schwer-
fällig.

Wie schon am Tag zuvor brachen wir nach dem Frühstück in Richtung Upega auf. Der strahlendblaue Himmel ließ
einen herrlich sonnigen
Tag erahnen und so fuhren wir, bedingt durch die kleineren Ritzel mit ca. 60 bis 70 km/h
zum Einstieg der Nordroute, den wir nach einer guten Stunde erreichten.

     

Der Nordabschnitt der LGKS erstreckt sich zwischen dem Pas du Tanarel bis zum Fort Central am Colle di Tende
mit einer Gesamtlänge von ca. 34 km. Es sind maximale Steigungen bis zu 12 % zu überwinden und wegen des teil-
weise abgelegenen Verlaufs empfiehlt es sich, die Strecke nicht allein zu fahren. Wer es sich zutraut, kann man den
Nordabschnitt auch mit einem schwereren Motorrad befahren. Ob das allerdings Spaß macht 200 kg und mehr über
die teilweise felsigen Abschnitte zu wuchten, bleibt jedem selbst überlassen.

Nachdem wir unsere Gebühr am Kassenhäuschen entrichtet hatten, begann unsere Fahrt auf der Nordstrecke. Ent-
gegen der Südroute war hier der Wegezustand deutlich entspannter und so drangen wir auf Schotterpisten, die sich
immer wieder mit Sand und grobem Geröll abwechselten weiter vor.
Unser Fahrtempo beschränkte sich überwiegend auf den 1. und 2. Gang und es machte Spaß, die unbefestigte
Strecke Kehre um Kehre zu erobern. Hin und wieder begegneten uns kleinere Felstreppen, die wir mit unseren
Maschinen erklommen, immer bedacht darauf, nicht zu nah an den äußeren Pistenrand zu geraten, um noch genü-
gend Spielraum für kleinere Fahrfehler zu behalten. Die Landschaft war großartig und so hielten wir immer wieder
in regelmäßigen Abständen an, um den Ausblick zu genießen und ein wenig zu verschnaufen. Unterhalb der
Scheitelhöhe des Col des Seigneurs rasteten wir am Refugio Barbera und gönnten uns einen leckeren Capuccino.

     

Bei der Weiterfahrt wurde der Streckenverlauf anspruchsvoller und teilweise ausgesprochen felsig. Abschnittweise
verläuft die Piste sogar entlang eines Felsüberhanges. Die wohl bekannteste und am meisten auf Fotos dokumen-
tierte Kehre am LGKS, befindet sich am Col de la Boaire. Am äußeren Rand der Kehre geht es senkrecht viele Me-
ter abwärts und der Blick auf die umliegenden Bergketten ist umwerfend.
Wir waren immer wieder fasziniert über die Wegeführung und man konnte nur erahnen, welche Mühen es früher be-
deutet haben muss, der Bergwelt diesen Pass abzutrotzen.

Nassgeschwitzt und abgekämpft von der Anstrengung erreichten wir gegen Mittag das Fort Central mit den zuge-
hörigen Kasernen, das im 19. Jahrhundert von den Italienern erbaut wurde und den zentralen Punkt einer Verteidi-
gungslinie bildete. Zugleich ist das Fort auch der Endpunkt (oder der Anfang, je nachdem von wo man beginnt) der
Nordroute. Zum Glück hatten wir immer ausreichend Wasser dabei, um selbst genügend Flüssigkeit „nachtanken“
zu können.
Der Abstieg von der Nordroute erfolgte vom Col de Tende auf einer Schotterpiste, die sich mit ca. 46
Kehren in Serpentinen steil hinab ins Tal schlängelt. 

     

Bevor wir jedoch diese Strecke befahren konnten, mußten wir mit unseren Maschinen ein Felshindernis überwinden,
das sich vor uns aufbaute und den gesamten Weg versperrte. Noch bevor ich darüber nachdachte, wie man da 'rü-
berkommen soll, quälte Thomas bereits waghalsig seine 'Irak' über die Felsbrocken und blieb... hängen. Bei dem
Manöver hatte der Motorblock aufgesetzt und beide Räder drehten frei in der Luft.

Mit Schieben und Ruckeln ging es dann, als das Hinterrad wieder Grip bekam, mit Motorunterstützung vorsichtig
weiter. Nachteilig an der 'Irak' war in diesem Fall erneut die 16-Zollbereifung, die nicht für ausreichend Bodenfrei-
heit sorgte. Schließlich hatte er es geschafft und er war drüben. Helmut war der nächste an der Reihe und tat sich
relativ leicht mit seiner Yamaha. Es zeigte sich erneut, wie ideal solch ein Motorrad für diese Strecken geeignet ist.

Meine 'NVA' hatte den Vorteil der 18-Zollbereifung und so tat sie sich aufgrund des hohen Gewichtes zwar schwer,
setzte beim Überklettern der Felsen aber nicht auf. Günter balancierte seine GS ebenfalls gekonnt über die Steine
und erneut bewies der HuFu-Umbau echte Steherqualitäten. Spätestens jetzt war mein Entschluss für ein nächstes,
neues Motorradprojekt gefallen...

     

Auf der nun folgenden Schotterpiste fuhren wir langsam talwärts, immer darauf bedacht auf dem losen Untergrund
nicht ins Rutschen zu geraten. Besonders die vielen Kehren mussten vorsichtig und langsam angefahren werden.
Schließlich kamen wir problemlos unten an und fuhren über Tende nach La Brigue, vorbei an dem 4 km vom Dorf
entfernten Kirchlein „Notre Dame des Fontaines“.

Die kleine Kirche befindet sich direkt am Fuße des Hochgebirges und wurde 1492 eingeweiht. Gebaut wurde sie zu
Ehren der Jungfrau Maria von Dorfbewohnern, die ein abgegebenes Gelübde einlösten, falls die eingetrockneten
Quellen die Region wieder mit Wasser versorgen. Und so kam es dann auch.

Unmittelbar danach wurde es noch einmal ernst auf der Strecke. Die asphaltierte Straße endete abrupt und wurde
zu einer unglaublichen Staubpiste, die von der Oberflächenstruktur wie ein Streuselkuchen aussah. Nur, dass die
„Streusel“ in dem Fall mittlere bis größere Steinbrocken waren, die Teilweise im Staub versteckt lagen.
Die Telegabeln, und nicht nur die, mußten ganze Arbeit leisten diesen Streckenabschnitt schadlos zu überstehen.
Mit flottem Tempo fuhren wir, meistens im Stehen, die mit Kehren durchsetzte Piste Kilometer um Kilometer. Eine
langsamere Fahrweise wäre viel schlaglochintensiver auf's Material gegangen und so „flogen“ wir quasi mit unse-
ren Mopeds über die kleineren Unebenheiten. Ein Waschbrett war nichts dagegen.
Den großen Löchern im Weg wichen wir aus oder durchfuhren diese im Schritttempo. Volle Konzentration war an-
gesagt und nur der erste
in der Gruppe, Helmut, blieb vom aufgewirbelten Staub verschont. Günter bekam die
erste Ladung ab und ich als Dritter in der Gruppe sah vor lauter Staub gar nichts mehr. Ich fuhr quasi nach Gehör…

     

Nur Thomas war schlauer. Er fuhr gefühlte 15 Minuten hinter uns und war wie Helmut somit weitgehend staubfrei
unterwegs. Grinsend kam er nach unserem ersten Stop angeknattert und ich wurde zum Lacher des Tages.
Alles, aber auch wirklich alles an mir war eingepudert. Ich hatte die volle Ladung eingefangen. Da ich auch noch
mit Endurobrille unterwegs war (was ich bitter bereute) war ich von der Nasenspitze bis zu den Stiefeln weiß…
Gemerkt habe ich die Ausmaße erst, als Günter vom Moped stieg, auf mich zukam und laut zu Lachen anfing.

Wie hat schon Hermann van Veen gesungen: "Sand in meinen Haaren, Sand auf meiner Zunge, Sand in meinen
Ohren, Sand in meiner Lunge, Sand auch auf den Wimpern, im Mund und sogar in meinem Schlund....", es war
unglaublich. Und Helmut als der, der ganz vorne fuhr, hatte an seiner pechschwarzen Textiljacke nicht mal einen
Hauch von Staubspuren. Alles schien an ihm abgeperlt.

Am Ende des anstrengenden Tages erreichten wir verschwitzt und müde über Molini di Triora unsere Unterkunft in
Vessalico. Danach ging es erstmal unter die Dusche mitsamt meiner Motorradjacke...

     

Abends bereitete uns Helmut dann noch im wahrsten Sinne des Wortes ein tolles Menü mit allem was dazu gehört.
Ein echter Kochkünstler, der es versteht, aus Kleinem etwas Großes zu zaubern.
Thomas erklärte sich vom ersten Tag an dazu bereit, den kompletten Abwaschdienst zu übernehmen und während
er noch damit beschäftigt war das Geschirr zu spülen, bereiteten wir per Beamer unseren Filmabend vor, um die Ta-
gestour noch einmal live anhand des gesamten Film- und Bildermaterials bei ein paar Bierchen nachzuerleben.
Es wurde ein lustiger Abend, der allerdings bereits um 22:30 Uhr endete. Erschöpft lagen wir da schon in unseren
Betten, voller Erwartung darauf, was uns am nächsten Tag erwartet.


                                                                                                                                                                                   Saorge

                                                                                                                                                                                                                          
 

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