LGKS
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die Südroute

 

     

Der Tag begann mit einem strahlend blauen Himmel, zunächst absolut wolkenlos und entsprechend waren wir ein-
gestimmt auf die heutige Etappe, von deren Schwierigkeit Thomas und ich ja bereits am ersten Tag der Anreise ei-
nen Vorgeschmack bekommen hatten.
Der kleine verschlafene Ort Vessalico, mit seiner überwiegend älteren Bevölkerung, war noch am Erwachen, wenn
man das überhaupt so nennen konnte. Gegenüber unserer Unterkunft gab es einen kleinen feinen Laden, der über
der alten Eingangstür den verheißenden Schriftzug „Aglio“ trug. Und so war es auch.
Schon bevor man den Laden betrat, hingen linker Hand an einem alten geschmiedeten und rostigen Geländer lan-
ge Knoblauchzöpfe und machten neugierig darauf, was sich wohl so alles in dem Laden für Köstlichkeiten befinden.
Die alle aufzuzählen würde hier den Rahmen sprengen. Aber die Käse- und Schinkentheke war umwerfend. So
besorgte ich also früh um 7 Uhr zum Frühstück hauchdünn vom Stück geschnittenen Parmaschinken, der einem
schon beim bloßen Anblick auf der Zunge zerging und die Nase betörte. Dazu eine Tüte voller frisch gebackener
Brötchen zu einem sagenhaften Preis von 17 Ct. /Stück. Das Leben kann ein Genuss sein…

     

Übrigens: Auch auf dieser Reise hat sich der Vorteil einer gemeinsamen Kasse gezeigt. Man brauchte sich zu kei-
nem Zeitpunkt mit dem lästigen Auseinanderrechnen von Quittungen in den Cafés und Geschäften beschäftigen.
Einer hatte den Geldbeutel und zahlte die Rechnungen. Machte die Kasse einen strapazierten Eindruck, wurde sie
wieder von allen zu gleichen Teilen gefüllt.

Für den stillen kleinen Ort Vessalico war es wohl eine Attraktion, wenn wir morgens gegen 8 Uhr die Motoren an-
warfen und in blauem Dunst eingehüllt, zum Ortsausgang knatterten. Neugierig folgten uns die Blicke der Menschen.
Die Anreise zur Südroute der LGKS erfolgte diesmal nicht über Upega, sondern wir nahmen den Weg über Monesi
di Triora. Als wir im Ort wieder an die durch einen Erdrutsch zerstörte Straße kamen, nahmen wir den uns inzwischen
ja bekannten Umweg über die Wiesen, links am Dorf vorbei. Diesmal konnten wir die steile sandige Böschung, in
der Thomas am ersten Tag beim Hochfahren stecken geblieben war, von oben nehmen.

     

Kaum hatten wir die Ortschaft verlassen schraubten wir uns in Serpentinen bis oberhalb der Baumgrenze und der
Straßenbelag veränderte zusehends seine Beschaffenheit. Aus Asphalt wurde Schotter. Die auf dem Weg grasen-
den Kühe, an denen wir vorbei mußten, musterten uns teilnahmslos und überließen sich dann ergeben wiederkäu-
end, ihrem Dasein hoch oben in der einsamen Bergwelt.
An der Weggabelung, die auf den höchsten Punkt, zum Monte Saccarello führte, machten wir eine kleine Ver-
schnaufpause da wir wußten, welch ein Streckenabschnitt jetzt vor uns lag. Auf dem Gepäckträger meiner NVA-
Maschine hatte ich eine zusätzliche Packtasche montiert, in der wir unsere Wasserflaschen verstauen konnten. So
kühlten wir erstmal unsere inzwischen trockenen Kehlen mit frischem Wasser.

Dann ging es weiter. Mit unseren Motorrädern kletterten wir, oft im Stehen, Serpentine um Serpentine immer weiter
den felsigen Pfad, Meter um Meter nach oben. An vielen Stellen hatten sich im Weg alte Fahrspuren durch Aus-
waschungen zu tiefen Rinnen entwickelt und es brauchte all unsere Aufmerksamkeit, nicht in diese hoffnungslos
abzurutschen. Die durch unser Überfahren aus Ihrem Bett gerissenen Felsbrocken knallten, vom groben Profil un-
serer Reifen emporgerissen, nur so von unten gegen den Rumpf des Motors unserer niedrigen 'NVAs'. Ich machte
mir ernsthaft Sorgen darüber, wie lange die Gehäuse wohl diesem Schlagabtausch standhalten würden. (Und ich
schwor mir, sollte ich meine 'NVA' jemals heil aus dieser Tour zurückbringen, werde ich sie niemals verkaufen.)

     

Die letzten Meter zur Christusstatue am Monte Saccarello "verhungerte" ich mit meiner ETZ. Ich hatte die Steigung
einfach zu steil genommen und so rutschte ich mit gezogener Bremse rückwärts den mit Geröll durchsetzten Hang
wieder herunter. Mit jaulendem Motor und schleifender Kupplung, so dass es mir in der Seele weh tat, quälte ich
meine 'NVA' aus einem anderen Winkel dann erneut den Steilhang hoch und erreichte mit letzter Kraft die Anhöhe.
Helmut erging es ähnlich und so hatte auch er mit seiner Yamaha beim Erklimmen des Hanges seine liebe Not.

Das Panorama der Bergwelt, das sich uns oben erschloss, war für uns alle überwältigend und so genossen wir es,
einen ersten Teil dieser anstrengenden Tour geschafft zu haben.
Vielleicht wäre gar nichts weiter passiert, wenn wir nicht einen Mountainbikefahrer, der sich zu uns gesellte, nach
dem weiteren Wegeverlauf gefragt hätten. Er deutete selbstbewusst auf eine links von uns liegende Route auf der
Höhe eines langgezogenen Bergkamms, den er uns als befahrbar und landschaftlich sehr schön beschrieb.
(...mit dem Mountainbike war das sicher auch der Fall…)

     

Nichtsahnend was uns bevorstand, machten wir uns nach einer längeren Pause auf den vermeintlich richtigen Weg
zur nächsten Etappe. Thomas fuhr mit seiner niedrigen 'Irak' voraus, denn wo er nicht weiterkam, war auch für uns
der Weg zu Ende. Schon bald bemerkten wir, dass das, was wir bereits hinter uns hatten, gegen das, was vor uns
lag, ein Kinderspiel war.
Die Beschaffenheit des Weges änderte sich ständig zwischen Grobschotter, aus dem Weg herausragenden Fels-
brocken, Kiesfeldern, die man nur im ersten Gang mit viel Schwung und „schwimmendem“ Hinterrad durchfahren
konnte, bis hin zu regelrechten Felstreppen, die von unten gegen unsere Maschinen schlugen.
Trotzdem trieb uns die atemberaubende Landschaft des Bergkamms immer weiter und tiefer in absolut menschen-
leere Regionen. Nach jedem Bergrücken hofften wir, dass die Anstrengungen der Weiterfahrt mit einem passierbar-
eren Weg ein Ende haben werde.

     

Aber dem war natürlich nicht so und so verging die Zeit und der Weg wurde schmaler und schmaler, bis er letztend-
lich nur noch ein Pfad war. Großen Steinen konnte man nun auch nicht mehr ausweichen, man musste sich ihnen
stellen und darüber klettern. Nicht nur einmal habe ich an das geschundene Material gedacht, dass wir auf diesen
unwirtlichen Wegen immer weiter voran trieben.

Nachdem wir ein kleineres Gefälle eines Bergrückens hinabgefahren waren und der Wegezustand sich nicht deut-
lich besserte, hielten wir an einer etwas breiteren Stelle an und gönnten uns und unseren Mopeds eine kleine Ver-
schnaufpause. Ich war inzwischen äußerst skeptisch, ob wir dem Weg mit unseren NVAs tatsächlich weiter folgen
sollten. Wir änderten die Reihenfolge und Helmut und Günter fuhren ab jetzt als Kundschafter mit ihren leichteren
Enduros voran, um die Expedition rechtzeitig abbrechen zu können, falls sich der Weg so entwickeln sollte, dass
ein Weiterfahren und Wenden mit unseren schwereren MZten endgültig nicht mehr möglich war. In großem Ab-
stand folgte ich mit meiner 'NVA' und Thomas bildete mit seiner 'Irak' das Schlußlicht.

Kurze Zeit danach passierte dann das, was ja irgendwie kommen musste: Thomas rutschte mit seinem Motorrad ab.

                                                                                                                                                                            die Bergung



 

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