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Der Dschungel

 

      

Die Fahrt mit dem motorisierten Langboot auf dem Rio San Juan immer tiefer in den Dschungel war ein Erlebnis. Die Boote sind für die Land-
bevölkerung die einzige Möglichkeit aus dem Dschungel in die Stadt zu kommen. Je weiter wir vordrangen, desto spärlicher wurden die An-
siedlungen, zuletzt waren es nur noch einzelne Hütten, bis auch die ganz verschwunden waren.
Unser Ziel war zunächst der kleine Ort El Castillo, den wir nach drei Stunden erreichten. Ein schöner kleiner Ort mit freundlichen Menschen an
einer Festungsanlage, von der damals die Einwanderer aus Europa immer wieder erfolgreich bekämpft wurden, wie man uns erzählte.
Die kleinen bunten Holzhäuser, teilweise auf Pfählen gebaut, das karibische Leben in den engen wenigen Straßen, sind einen Besuch wert
und wir nahmen uns vor, auf dem Rückweg für einen Tag dort Halt zu machen. Ein Ort zum Ausruhen, keine Autos, ein paar Pferde, Wege, die
nicht breiter sind als 3 Meter. Das Leben spielt sich auf der Strasse ab und wieder, überall, lachende Kinder.

      

In El Castillo stiegen wir in ein kleineres Langboot um, da wir einige Stromschnellen passieren mussten, um zu unserer Lodge zu kommen.
Schon wenige Kilometer nachdem wir die Ortschaft verlassen hatten, bildet der Rio San Juan die Grenze zu Costa Rica und an jedem Anlege-
punkt taucht immer wieder Militär auf. Militärstützpunkte, mitten im Dschungel, weit und breit nichts außer dichte Vegetation. Ohne Machete
kein Durchkommen.
Ein oder zwei Holzbuden mit 8-10 schwerbewaffneten Soldaten besetzt. Ernste wichtige Mienen und ganz viel Langeweile in den Gesichtern.
Denn dort im Dschungel ist außer jede Menge Moskitos nichts nennenswertes, was den Alltag einigermaßen angenehm machen könnte. Ein
paar Affen vielleicht, mal ein Faultier oder ein Tukan und jede Menge Ameisen.
Um so ergiebiger stürzen sich die Militärs natürlich auf jeden Reisenden und man befolgt besser alles, was von einem verlangt wird. Ich habe
noch nie auf einer Reise so oft meinen Pass zeigen müssen. Alles wird genauestens dokumentiert, das Passbild mit den Gesichtern verglichen
und die Passnummer in zahlreichen Formularen eingetragen. Die Waffe ist selbstverständlich im Anschlag.

      

Das Verhältnis des USA-freundlichen Costa Rica zu dem Sozialistischen Nicaragua steht nicht auf den besten Füßen und so ist es leider in
der Vergangenheit immer wieder zu Grenzverletzungen beider Staaten gekommen, die 2010 sogar vor dem Internationalen Gerichtshof in
Den Haag landeten. Wie meistens ging es auch hier wieder um wirtschaftliche Interessen und so ist das Verhältnis beider Länder nach wie
vor angespannt.

Als wir nach gut einer Stunde unsere Lodge erreichten, war ich überwältigt von der Anlage mitten im nicaraguanischen Dschungel. Ein klei-
nes Paradies. Hier wollten wir also Weihnachten verbringen.
Die Lodge präsentierte sich wie aus einem Kinofilm. Wir waren bis auf zwei weitere Reisende (Vater mit Sohn) die ganze Zeit allein. Unsere
einfachen Zimmer mit kleinem separatem Waschraum, Toilette und Dusche (nein, ich habe den Duschkopf nicht wieder angefasst) waren per-
fekt. Jedes Bett wurde mit einem rundum verschlossenen Moskitonetz überspannt.
Sandra, die Betreiberin der Lodge, hatte uns einen jungen Führer engagiert, der nicht nur 4 Sprachen sprach, sondern in den nächsten Tagen
unser Begleiter sein sollte und uns durch den Dschungel führte. Unter anderem bei einer Tour auch zu seinem Elternhaus. Doch dazu später...

     

Als Gärtner faszinierte mich natürlich alles auf der Anlage. Blühende Pflanzen überall in einer Größe und Vielfalt, wie man sie sich nicht erträu-
men kann. Ich war sprachlos.

Abends beim Essen, es gab jeden Tag neben einem tollen Frühstück mit Früchten, frisch gepressten Obstsäften und Gallo Pinto auch zwei war-
me Mahlzeiten mit gegrilltem Fleisch, kam unser junger Führer (Gustavo) an unseren Tisch und machte uns auf einen 3 m langen Kaiman auf-
merksam, der direkt neben der offenen Küche im Flussbett lauerte.
Wer schon einmal gesehen hat mit welcher Gewalt sich solch ein Kaiman sekundenschnell um 180 Grad im Wasser umdreht, was für eine Bug-
welle der dabei verursacht, bekommt schnell eine Ahnung davon, wieviel Kraft dahinter steckt. Ich hatte danach jedenfalls reichlich Respekt vor
dem Reptil.

Eine unserer Dschungeltouren führte uns zunächst mit dem Boot über einen Seitenarm des Rio San Juan tiefer in fast völlig unbewohntes Ge-
biet. Die Geräusche des Waldes waren anders als von mir erwartet. Nämlich Ruhe. Absolute Ruhe. Hin wieder rief mal ein Vogel oder man
hörte einen Brüllaffen; aber das war's auch schon.
Gut die Häfte des nicaraguanischen Staatsgebietes ist Dschungel und nur schwer passierbar. Auch die Ansiedlungen halten sich sehr in Gren-
zen und die Straßen, wenn es denn überhaupt welche gibt, sind oftmals unbefestigt und zu vielen Zeiten im Jahr eine echte Herausforderung.
Vereinzelt leben hier noch Familien, denen die indigene Herkunft anzusehen ist. Diese kleinen und überschaubaren Familienverbände haben
sich sehr oft ein Stück Dschungel gerodet, und sich mit ein paar Kühen, Gemüse und Obstgärten eine Existenz aufgebaut.

     

Der Weg zu Gustavo's Elternhaus war beschwerlich. Es hatte viel geregnet und der völlig durchnässte, rote schwere Lehmboden klebte an un-
seren
Stiefeln und machte jeden Schritt zu einem kiloschweren Unterfangen.
Mehrmals sanken wir bis weit über die Knöchel ein und kamen nur langsam voran. Wir durchquerten Bäche, erklommen Anhöhen und rutsch-
ten immer wieder aus. Die besonders bissigen Moskitos, klein wie eine Fruchtfliege, hinterließen auf unserer Haut Quaddeln, die sich schnell
entzündeten und die Größe eines 5-Cent-Stückes annahmen. Außerdem brannten und juckten die, dass man schnell versucht war, diese auch
noch aufzukratzen, was natürlich nicht sonderlich ratsam war.
Zwischenzeitlich hatte es angefangen zu regnen und wir erreichten ziemlich durchnässt Gustavo's Elternhaus, vor dem wir von seinen Eltern
sehr freundlich empfangen wurden. Wir waren ziemlich erschöpft und froh, hier eine kleine Pause machen zu können.
Gustavo's Eltern leben sehr bescheiden und haben es dennoch irgendwie geschafft, einen ihrer Söhne so zu unterstützen, dass er zur Schule
gehen konnte und 4 Sprachen gelernt hat.
Jetzt gibt er das seinen Eltern zurück, indem er als Reiseführer Geld verdient und Dschungeltouren anbietet. Als 6-Jähriger hatte er bereits
einen Schulweg von 1,5 Std. zu Fuß und mit dem Boot. Die Strecḱe, die wir gerade mühsam hinter uns gebracht hatten. Und das jeden Tag
zweimal. Morgens hin, nachmittags zurück. Unvorstellbar. Welche Ängste Eltern in Deutschland wohl ausstehen würden, wenn sie ihre Kinder
täglich solchen Gefahren aussetzen müssten.

      

Weihnachten auf der Lodge war irgendwie nicht so richtig weihnachtlich, wie soll das auch gehen bei Außentemperaturen von 30 Grad. Wir
hatten ein paar Geschenke dabei, auch für Gustavo und seine Eltern gab es eine Kleinigkeit. Außerdem hatte ich noch eine ganze Tüte Gum-
mibärchen in meinem Rucksack, die ich ihm überließ.
Uns wurde ein tolles Weihnachtsessen von der Küche gezaubert und wir saßen danach sehr lange, bis spät in die Nacht mit dem Küchen-
personal zusammen und haben uns zwar holprig; aber irgendwie ging es doch, toll unterhalten. Die Biere und der reichliche „Flor de Cana“
(Rum) taten ihr übriges und waren wohl auch Ursache dafür, dass ich für morgens meine Mithilfe in der Küche versprochen hatte. So war am
1. Weihnachtstag schon um 5:00 Uhr früh für mich die Nacht wieder vorbei.

      

Die Dschungeltouren, eine nächtliche Kaimanfahrt und die schöne Zeit auf der Lodge machten uns den Abschied nach 5 Tagen schwer, wa-
ren wir doch alle, das Personal und wir, zu Freunden geworden.
Das Langboot brachte uns, nach den üblichen Kontrollen des Militärs, zurück nach El Castillo und wie geplant haben wir dort, mitten im kari-
bischen Leben, noch einen Tag verbracht und unsere Dschungeletappe ausklingen lassen. Nach 10 Tagen Nicaragua hatten wir in unserem
Hotel zum ersten Mal warmes Wasser in der Dusche und endlich konnte jeder mal vernünftig seine Wäsche waschen. Natürlich von Hand.

Gute Voraussetzungen für die nun folgende vierte Etappe unserer Reise:
Ein Besuch der Kaffeeplantagen in eines der besten Kaffeeanbaugebiete der Welt. Das nördliche Hochland von Nicaragua…

 

                                                                                                                                                            hier geht's zu den Kaffeeplantagen

 

 

 
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