MZ-Gespanne
ES 250/2
ES2 mit 5-Gang
ETZ 250

MZ ES 250/2 (ES2) mit Stoye SEL = Superelastik-Seitenwagen (Bj. 1965-1983) 

 

Die MZ ES-Modelle wurden wegen ihrer schweren & massiven Metallbauweise im Volksmund auch "Eisenschweine", die ES2-
Baureihe auch "rasende Taschenlampe" genannt. Wahrscheinlich lag letztere Bemerkung an der ungewöhnlichen Karosserie-
form mit dem stromlinienförmigen Übergang zwischen der kastenförmigen Lampenmaske und dem Tank. Manche gingen sogar
soweit und behaupteten, dass die ES2 das hässlichste Motorrad der Welt sei.

Zugegeben, auf den ersten Blick hat die MZ ES 250/2 sicher nicht einen Designpreis verdient, dennoch war das Motorrad,
als es 1966 die ES 250/1 ablöste, ein mutiger Schritt. Unter Liebhabern ist die ES2 inzwischen sehr begehrt, was auch an den
kontinuierlich steigenden Preisen zu erkennen ist. Wer das Motorrad mal gefahren hat, will es nicht mehr hergeben.

Auch ich tat mich anfangs schwer, die "neuen" ES-Modelle schön zu finden. Aber dann, auf den 2. bzw. 3. Blick hat mich das
Motorrad immer mehr in seinen Bann gezogen. In meinem MZ-Freundeskreis hatte ich zudem einige, die begeistert von den
Fahreigenschaften ihrer ES2 sprachen. Irgendwann war es dann soweit, dass auch ich dieses ungewöhnlich aussehende
Motorrad haben wollte. Ein glücklicher Umstand sorgte dafür, dass ich das abgebildete Exemplar, Baujahr 1970, angeboten
bekam.
Die ES2 war fachmännisch aufgebaut, sollte nun in gute Hände kommen und landete bei mir in einem technisch komplett
überholten Zustand, mit einem 5-Gang-TS-Motor in ES-Optik, einer Duplexbremse, neuen Stoßdämpfern usw.
Von meiner Seite wurde nur noch der Originalzustand weitgehend wieder hergestellt. So bekam die ES2 den Flachlenker mit
den zugehörigen Griffarmaturen und Schaltern, Gasgriff und natürlich den Kaltstarthebel im Lenkerabdeckblech.
Der Blinker wurde wieder an den richtigen Ort als Lenkerblinker montiert, ebenso wurden am Beiwagen die TS-Blinker gegen
die Originalhalterung mit Ochsenaugenblinker ausgetauscht. (Auf dem Foto ist noch der frühere Zustand zu sehen)
Die Scheinwerfer und der Tank wurden in der Farbe des Beiwagens lackiert und die Kniebleche zusätzlich liniert. Am Heck
kam ein neuer, schwarz lackierter und linierter Kotflügel und zwei Seitengepäckträger. Die gesamte Elektrik wurde auf eine
12V elektronische Zündung umgebaut und der Kabelbaum komplett erneuert. Ebenso erhielt der Beiwagen eine Windschutz-
scheibe.

Für die ES-Modelle hatte der Seitenwagenhersteller Stoye in Leipzig, gemeinsam mit MZ, den Superelastik-Seitenwagen
entwickelt. Superelastik deshalb, weil u.a. die Seitenwagenschwinge mit der Hinterradschwinge des Motorrades verbunden
war. Auch war erstmals das Seitenwagenrad hydraulisch gebremst. Da Motorrad und Gespann gemeinsam konstruiert und
aufeinander abgestimmt waren, passte alles zusammen. Fahrkomfort und Performance wurde auch mit Nachfolgemodellen
nie wieder erreicht. Manche halten sogar das maßgeschneiderte Zusammenwirken des Superelastik-Seitenwagens mit dem
Vollschwingenfahrwerk der ES2 für unübertroffen und geraten dabei ins Schwärmen, wenn sie über die tolle Straßenlage der
Maschine berichten. Diese Meinung kann ich nur bestätigen. Das ES2-Gespann fährt sich im Vergleich zum ETZ-Gespann
um Längen besser und gefühlt auch viel sicherer. Das ganze Gespann ist "wie aus einem Guss" gemacht und war von MZ
damals ein großer Wurf.

Ein nie gelöstes Problem stellte allerdings beim Fahren der Sog hinter der Windschutzscheibe dar, der Mitfahrer/innen in be-
stimmten Situationen ungesunde Zweitaktabgase einatmen ließ.
MZ-Gespannfahrer haben nicht nur deshalb oft die Windschutzscheibe demontiert. Natürlich auch, um den Seitenwagen nicht
aerodynamisch ungünstig, zu einer 'Schrankwand' zu machen. Trotzdem, wenn auch die Meinungen zur Designfrage sehr unter-
schiedlich ausfallen, zur damaligen DDR-Zeit war das ES2-Gespann zweifellos ein großer Wurf deutscher Ingenieurskunst.
Der Motor der MZ ES 250/2 'Trophy' war erstmals vibrationsarm gummigelagert und die öfter zu Motorschäden führende Kol-
benbolzenlagerung bekam nun Nadellager. 250 ccm und 19 PS Leistung bei den 'Trophymodellen' waren zu der Zeit in der 1/4-
Literklasse unerreicht. Den Namen "Trophy" bekam die Modellreihe, weil MZ mehrmals Gewinner der World Trophy "Interna-
tional Six Days" in den Jahren 1963, '64, '65, '66, '67 und 1969 war.

    
          Umbau auf Duplexbremse (2 Nocken, 2 auflaufende Bremsbacken) aus der Jawa und der Tankdeckel der "International Six Days"

 

 

Dampflok DR und MZ ES 250/2 Gespann

 

 

 

 

 

MZ Werbefilm (DDR)

 

 


 

 

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