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Granada

 

    

Busfahren, übrigens die einzige Möglichkeit neben dem Taxi im Land größere Strecken zu bewältigen, ist ein Aben-
teuer für sich. Es hat gedauert, bis wir das System begriffen hatten. Meistens funktioniert es so, dass ein Bus au-
ßer
halb der Busbahnhöfe, eigentlich immer und überall hält, wenn man per Handzeichen zu erkennen gibt mitfah-
ren zu wollen. Man braucht auch vorher keine Fahrkarte, denn die bekommt man im Bus von einem Helfer, der
neben dem Fahrer für alles andere zuständig ist.
Er kümmert sich auch um das Gepäck (großes meistens auf dem Dach), ist Signalgeber durch einen scharfen Pfiff
durch die Zähne, wenn jemand aussteigen will, „Platzanweiser“ bzw. „Verdichter“ der stehenden Fahrgäste und na-
türlich hat er die Kassiereraufgaben zu erledigen.

    

Bis der arme Kerl sich dann mal in den permanent überbesetzten Bussen von vorne nach hinten, Fahrgast für Fahr-
gast, durchgearbeitet hat vergeht einige Zeit. Die zwischenzeitlich neu Hinzugestiegenen werden dann auf seinem
Rückweg von hinten nach vorne bedient. Wie der Mann sich merken konnte, wer noch nicht bezahlt hat, blieb mir
die ganze Zeit ein absolutes Rätsel. Auch die Frage mit dem Wechselgeld.
Alle, die zu große Scheine dabei hatten, auf die er nicht 'rausgeben konnte, wurden halt ebenfalls erst auf dem
Rückweg bedient. Und das exakt mit dem Betrag, den jeder wiederbekommen musste.
Plötzlich tippt dir dann eine Hand von hinten auf die Schulter und schiebt dir zwischen fremden Körpern, Achsel-
höhlen und was weiß ich, das richtige Wechselgeld entgegen. Ich habe nie begriffen, wie der Helfer im Bus das
alles macht, ohne dass irgendwie auch nur ansatzweise Hektik entstand.

   

Und überhaupt, die Busse sind nicht nur brechend voll, nein, an jeder größeren Bushaltestelle steigen Händler mit
Bauchläden hinzu und drängen sich ebenfalls laut rufend von vorne bis hinten durch, um ihre Waren, meistens Le-
bensmittel, anzubieten. Zwischenzeitlich ist der Bus längst wieder in Bewegung und die Händler steigen dann ir-
gendwo unterwegs aus, um mit dem nächsten Bus in die entgegengesetzte Richtung zurück zu fahren. Ein echtes
Erlebnis.

Auf diese Weise erreichten wir also nach stundenlanger Fahrt die alte Stadt Granada. Eine ehemals bedeutende
Hafenstadt in Zentralamerika, von der Kakao und Tabak in alle Welt verschifft wurde. 1524 erbaut, wurde sie auf-
grund ihrer Bedeutung in den folgenden gut 300 Jahren dreimal von Piraten und einmal während des nicaragu-
anischen Bürgerkrieges überfallen und teilweise komplett zerstört.
Als drittgrößte Stadt des Landes und mit dem romantischen Kolonialflair vergangener Zeiten, sind in Granada deut-
lich mehr Touristen unterwegs. In erster Linie US-Amerikaner.

    

Die von vielen Abbildungen bekannte Kathedrale, mitten im Stadtzentrum am Centralpark gelegen, gilt als eine der
wichtigsten Kolonialbauten Zentralamerikas. Mit ihrer gelben Fassade und den beiden roten Kuppeln der Kirch-
türme überragt sie beeindruckend alle anderen Gebäude der Stadt und ist nicht zu übersehen. Nach gut 2 Wochen
unserer Reise, war dies ein weiterer Höhepunkt.

In Granada floriert das Leben. Überall herrscht buntes Treiben. Pferdekutschen, Straßenhändler, Künstler, Bars,
Cafés und gute Restaurants, die für erschwingliche Beträge ihre Leistungen anbieten. Wir haben die Tage dort ge-
nossen und waren in der ganzen Stadt unterwegs.
Besonders beeindruckt hat mich ein Gehörlosenprojekt junger Menschen direkt im Herzen der Stadt, die ein Café
betreiben, in dem auf den Tischen die Speisekarte in bunten Bildern aufgemalt und darunter in Gebärdensprache
erläutert wird.

    

Auch eine eigene kleine Werkstatt für Hängematten wird im selben Haus betrieben. Die jungen Gehörlosen sitzen
dort an 4 großen, webstuhlähnlichen Holzgestellen und knüpften in vielen bunten Farben Hängematten und
Taschen. Eine tolles Projekt!

    

Nach all den Erlebnissen der vergangenen Tage, tat uns das Stadtleben richtig gut. Nicaragua ist auch bekannt für
seinen Tabak. Und wo Tabak angebaut wird, werden auch Zigarren gerollt. Also machte ich mich auf die Suche und
entdeckte die kleine feine Zigarrenmanufaktur, „Dona Elba“. Als wir in das Gebäude eintraten, bemerkte ich ein Bild,
dass über den Glasvitrinen an der Wand im Foyer hing. Auf dem Bild war Arnold Schwarzenegger mit den Ge-
schäftsführern des Betriebes zu sehen. Alle hatten eine fette Zigarre im Mund.
Arni war also auch schon da…

Beeindruckend war, was für Arbeit hinter jeder einzelnen Zigarre steckt. Handarbeit von Anfang bis Ende. Auf „You
Tube“ gibt es ein sehr schönes Video von der Manufaktur Dona Elba zu sehen.
Ich muss allerdings zugeben, dass die Zigarren, die wir uns selbstverständlich mitgenommen haben, mich nicht
wirklich zu einem bekennenden Zigarrenraucher gemacht haben…

   

Abends ließen wir uns von dem karibischen Nachtleben in Granada treiben. Auch da spielt sich das Leben auf der
Straße ab. Die Wohnungstüren der Menschen sind weit geöffnet und lassen einen ungestörten Blick direkt ins Wohn-
zimmer zu. Da sitzt dann schonmal die ganze Familie oder die Oma vorm Fernseher und unterhält sich lautstark mit
dem Rest der Familie, der gerade vor der Tür auf dem Gehsteig hockt.
Die vielen Restaurants und Bars haben immer auch Außenbestuhlung und man sitzt in dem milden Klima unter frei-
em Himmel und wird von den unterschiedlichsten Rhythmen beschallt. Ich habe festgestellt, dass Bars mit Livemu-
sik und viel „Flor de Cana“ (Rum) erheblich die nächtliche Heimkehr ins Hotel verzögern…

Gerne wären wir noch länger in dieser tollen Stadt geblieben; aber unsere letzte Etappe der Reise stand an und so
brachen wir nach ein paar Tagen zu unserer sechsten und letzten Unternehmung auf.
Der Besuch der Vulkaninsel „Ometepe“. Ein Inselparadies im Nicaraguasee bei den Nachfahren der Nahua-Indianer.

 

                                                           hier geht's nach Ometepe

 


 

 
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