Nordfahrt
bis Erfurt
Neustadt a.R
Bremen
Duorennen
Heimfahrt

Von Emsen zurück nach Erlangen

 

Emsen - Soltau - Celle - Braunschweig - Erfurt - Erlangen

Früh am nächsten Morgen ging es um 07:00 Uhr heimwärts. Geplant waren 3 Etappen für die Rückreise. Zunächst bis Goslar, dann bis
Jena und am letzten Tag bis Erlangen. Aber es sollte anders kommen.

Das nasse Zelt und das Gepäck waren schnell verstaut. Mit 50 km/h sauste ich über die Landstraße, durch die schöne Lüneburger Heide
über Soltau nach Celle. Es war trockenes Wetter. Hin und wieder sah man sogar die Sonne; aber es war lausig kalt. Zum Glück hatte ich
meine Kniedecke dabei und befestigte diese wieder am Beinschild meiner Schwalbe. Sofort wurde das Fahren angenehmer.

Kilometerlange Landstraßen und wenig Ortschaften lagen vor mir. Meine Sinne konzentrierten sich allerdings immer mehr auf die Geräu-
sche, die aus dem Motor drangen und da nicht so ganz hingehörten. Von Celle ging es weiter nach Braunschweig. Bei einem Bäcker
setzte ich mich ins Cafe und gönnte mir ein Frühstück. Die Fahrt durch die Heide war insgesamt kühler gewesen als gedacht und der hei-
ße Kaffee tat gut. Toll ist die Kniedecke, die wirklich unbezahlbar bei Kälte und Regen ist und jedem Schwalbefahrer nur empfohlen wer-
den kann.

  

Nach 150 km, kurz hinter Braunschweig, ging die Schwalbe auf dem Weg nach Salzgitter plötzlich aus. Wie inwischen gewohnt: Kerze

'raus, säubern und weiterfahren. Ein paar Kilometer weiter, das gleiche Spiel. Die Schleifgeräusche waren nun unüberhörbar. Da bahnte
sich richtig was an und es kamen erstmals Zweifel auf, ob ich es überhaupt noch bis Erlangen schaffen würde.
Mit knapp 40 km/h rettete ich mich über die Landstraße von Ortschaft zu Ortschaft. Es war Sonntag und eine Werkstatt die mir vielleicht
hätte helfen können, war weit und breit nicht in Sicht.
Ab Salzgitter hatte ich dann wiederholt unübersehbare Kerzenbrücken an den Elektroden. Ein untrügliches Indiz für einen aufkommen-
den Motorschaden. Den Kerzenschlüssel trug ich inzwischen in der Jackentasche. Alle paar Kilometer immer wieder das gleiche Spiel:
Kerze ´rausschrauben, Kerzenbrücke entfernen, Kerze wieder ´rein und weiterfahren bis zum nächsten Zwangsstop.

Meine ursprünglich geplante Fahrtroute durch den Harz änderte ich kurzerhand. Die Steigungen die mich ab Goslar erwarten würden
wären ganz sicher das frühe Aus für meinen Roller gewesen. So schlich ich also am Westrand des Harzes über Seesen bis nach Nord-
hausen in Thüringen. In Nordhausen wollte ich mich einquartieren (so mein Plan), da ich vor der Reise im Internet von einer dortigen
Simsonwerkstatt gelesen hatte. Leider hatte die Werkstatt längst aufgegeben.

Nun war guter Rat teuer. Schaffe ich noch die 70 km bis zu meinen Freunden in Erfurt? Ich hatte keine andere Wahl und mußte es ver-
suchen. Der Motor klang sehr sehr ungesund. Ich drosselte die Geschwindigkeit auf 30 km/h. Aber es kam, was kommen musste, 60 km
vor Erfurt war endgültig Schluss mit meiner Reise. Auf einer kleinen Anhöhe blieb ich liegen. Ein kurzes Knistern, ein metallischer
Schlag und der Motor stand still und ließ sich auch nicht mehr zum Leben erwecken.
Zum Glück war eine kleine Ortschaft in der Nähe. Verschwitzt und am Ende meiner Kräfte kam ich dort mit meiner guten alten Schwalbe
angeschoben...

  

323 km Fahrtstrecke lagen nun hinter mir und fast 8 Std. Fahrtzeit. Mit dem Handy erreichte ich einen Freund in Erfurt, der mich mit sei-
nem Kombi abholte. Die Schwalbe passte glücklicherweise in den Kofferraum. Von Erfurt rief ich abends meine Frau an, die mich am
folgenden Tag mit dem Auto abholte und zurück nach Erlangen brachte.

Fazit:

Mit der Schwalbe über die Landstraße zu ´fliegen´ ist ein Lebensgefühl und eine völlig andere Art zu reisen. Unterwegs begegnen einem
viele Menschen mit denen man ins Gespräch kommt. Die langsame Reisegeschwindigkeit lässt einen Landschaften und Orte aus einem
ganz anderen Blickwinkel erleben.

Nachtrag:

Nachdem der Motor ausgebaut auf meiner Werkbank lag und ich den Zylinder abgenommen hatte, bestätigte sich mein Verdacht: Das un-
tere Pleuellager war gebrochen.
Das Kolbenhemd hatte an der Rückseite einen großen Ausbruch (vermutlich von der Pleuelstange verursacht) und auf der Kolbenobersei-
te und im Zylinderdeckel waren deutliche Gebrauchsspuren von dem auseinander gebrochenem Rollenlager des Kolbenbolzens zu erken-
nen. Die über den Überstromkanal nach oben gewanderten Lagerbestandteile hatten sich im Aluminium für immer verewigt.

 

                                                                                                                                                                     zu den Reiseberichten
 

 

   

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