Riesengebirge
es geht los
Trutnov
Hrubá Skala
Elbsandstein

Auf dem Weg zur Felsenstadt nach Hrubá Skala

 

   

Der dritte Tag unserer Reise begann mit einem ausgiebigen Frühstück. Wer schon einmal in Tschechien in einer Pension oder Hotel genäch-
tigt hat weiß, wie deftig morgens für Gäste aufgetischt wird. Entsprechend gestärkt saßen wir einige Zeit später auf unseren Maschinen und
steuerten den tschechisch-polnischen Grenzübergang Pomezni-Boudy an.
Der Ort ist unweit der Schneekoppe gelegen, die mit 1.603 m die höchste Erhebung des Riesengebirges bildet. Nach einigen Beweisfotos
an der Grenze fuhren wir auf polnischer Seite weiter auf die nördliche Seite des Gebirgszuges, der sich aber erstaunlich unspektakulär zeigte.

   

Spektakulär waren eher die Sandverwehungen in den Kurven der Passstraße. Da unser Tourguide Thomas gerade die Gruppe anführte und
ich ganz hinten fuhr, warnte er mich dank unserer neu erworbenen Helmsprechanlage rechtzeitig über die rutschige Gefahr, bevor eine zu
sportlich gefahrene Kurve im Desaster endete.
Das nächste Etappenziel war die Westernstadt in Sciegna, ganz in der Nähe der polnischen Stadt Karpacz. Über sanft geschwungene und
langgezogene Landstraßen erreichten wir mit Blick auf die teils schneebedeckte Schneekoppe unser erstes Ziel. Thomas zeigte sich etwas
enttäuscht über die wenig anspruchsvollen Passstraßen, wenn man diese überhaupt so nennen kann.

   

Trotzdem, die Stimmung war gut und so beschlossen wir nach einem kleinen Aufenthalt an der Westernstadt und einem größeren Schlenker
auf polnischer Seite, wieder die schöner zu fahrende Südseite des Riesengebirges auf tschechischer Seite aufzusuchen.
Unmittelbar hinter der Grenze, erreichten wir gegen Mittag ein kleines hübsches Bergdorf, das wir in einem kleinen Restaurant auf die Weise
genossen, als dass wir uns Gerichte der hervorragenden, deftigen tschechischen Küche schmecken ließen. Dazu natürlich ein leckeres (al-
koholfreies) tschechisches Bier während über uns Paraglider kreisten. Das Leben konnte kaum schöner sein.

   

Reichlich gestärkt machten wir uns auf den Weg zu unserem heutigen Etappenziel, die Felsenstadt in Hrubá Skala in der Nähe der Stadt
Turnov, die im 13. Jahrhundert Zentrum der Steinverarbeitung und Schmuckherstellung war.
Unsere Unterkunft befand sich direkt auf dem Schloss Hrubá Skala in dessen Schlosshof wir mit unseren schweren Maschinen am frühen
Nachmittag einrollten.

   

Matthias war auch hier mit seinem dicken Gespann der Hingucker und erntete anerkennende Blicke, egal wo auch immer wir auftauchten.
Unser 4-Bettzimmer entpuppte sich leider im Stil einer Jugendherberge alten Standards und die Freude darüber verhielt sich in Grenzen.
Ein tolles Schloss, ein tolles Ambiente und ein einfaches Zimmer. Wahrscheinlich hatten wir in den alten Gemäuern eine ritterliche Unter-
kunft erwartet. Aber es ging auch so und nachdem wir unsere Eisenrösser abgesattelt hatten, begaben wir uns ins Schlossinnere auf die
Terrasse mit einem grandiosen Ausblick. Schnell hatten wir ein Bier geordert und kühlten unsere Kehlen.

   

Erfrischt und voller Tatendrang begaben wir uns in die unmittelbar am Schloss angrenzende Felsenstadt. Die mächtigen Sandsteinfelsen
mit engen Pfaden zwischen dem Gestein, dass sich meterhoch in den Himmel reckt, erinnerte mich ein wenig an Bilder von der Felsenstadt
Petra in Jordanien.
Das Felsengebiet hier liegt im Nordosten des „Böhmischen Paradieses“ und bildet einen mächtigen Sandsteingürtel mit einer Gesamtgröße
von 219 ha. Ein einzigartiges Naturreservat in dem man beeindruckende Wanderungen unternehmen kann. Auch für Kletterer sind die ver-
schiedenen Felsformationen und Steinsäulen ein Eldorado. Aus der Ferne waren überall kleine Gipfelbücher zu erkennen, in die sich der
erfolgreiche Kletterer verewigen konnte.

   

Wir vier haben uns auf eine hohe Felsplattform gewagt, die über einen schmalen Pfad und frei hängenden Baumwurzeln mit etwas Anstren-
gung einigermaßen zu erklimmen war. Die Mühe hatte sich gelohnt, denn der Blick von der Plattform war atemberaubend schön, lag uns
doch das Schloss auf der anderen Talseite direkt gegenüber, eingetaucht in goldenes Licht der Abendsonne.

Umgeben von Felsskulpturen, die über Jahre entstanden sind, genossen wir die Stille des Waldes und setzten uns an den Rand des Pla-
teaus hoch oben über den Baumwipfeln, die wie ein grünes Blättermeer die Talsenke verdeckten. Mit dem prächtigen Schloss gegenüber
suchten wir mit den Augen nach Spuren von Rübezahl. Gefunden haben wir ihn aber auch hier nicht und dennoch hatten wir das Gefühl,
dass ein Zauber auf dem Steinplateau lag...

Als wir dann später die Fotos ansahen, bestätigte sich unser Eindruck und wir erkannten den verwunschenen Ort.

   

Zurück im Schloss steuerten wir direkt das Schlosslokal an, setzten uns auf die Terrasse und gaben uns erneut den sinnlichen Genüssen
der tschechischen Küche begleitet von mehreren kühlen, kupferfarbenen Bieren hin. Wieder lag ein toller Tag mit vielen Eindrücken hinter
uns und besonders die Felsenstadt hatte es uns vieren angetan.
Als es nach Sonnenuntergang dann kühler wurde, wechselten wir ins Foyer der Schlossgaststätte und nahmen an einem antiken Tisch aus
Wurzelholz mit vier bequemen ledergepolsterten Stühlen platz. Die Planungen für den nächsten Tag liefen an und das Bier, naja, was soll
man sagen, lief auch.

   

Auf dem Rückweg in unser spartanisches 4-Bettzimmer murmelte ich zu Jens, dass ein kleines Schnäpschen jetzt noch gut getan hätte, was
diesen sofort zu einer 180° Kehrtwendung veranlasste.
Im Stechschritt und der vollen Überzeugung, dass ein Schlaftrunk jetzt genau das Richtige sei, marschierten wir an dem hinter uns laufenden
Thomas und Matthias vorbei, die beide mit großen Augen und einem Anflug von Zweifeln an unserer Zurechnungsfähigkeit sich schließlich
auch dem Gruppenzwang beugten und ebenfalls umkehrten.

   

Zurück im Foyer wurden aus den Schnäpsen dann ein paar mehr verschiedener Sorten, Farben und Geschmacksrichtungen und so lande-
ten wir erst nach Mitternacht im wahrsten Sinne des Wortes schlaftrunken in unseren Betten. Das augenblicklich eintretende Schnarchkon-
zert dürfte in dieser Nacht allerdings endgültig alle Schlossgeister vertrieben haben...

   

 

                                                                                                                                         hier geht's zum Elbsandsteingebirge
 

 

   

 
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