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San Carlos

 

   

Die wenigen Kontakte, die wir in San Carlos hatten und die sich schnell verbreitende Nachricht, dass da welche aus
Alemania zu Besuch sind, reichte aus, dass aus den geplanten 2 Tagen Aufenthalt letztendlich dann doch 5 Tage
wurden. Wir bekamen so viele Einladungen, dass wir in den folgenden 5 Tagen ein volles Programm hatten. Zum
Glück sprach wenigstens einer von uns einigermaßen spanisch. Sonst wäre die Kon
versation echt schwierig ge-
worden. Ohne Spanischkenntnisse ist eine Reise dorthin nicht zu empfehlen.

Da nur 1/3 der Stadtbevölkerung in San Carlos an das Trinkwassernetz angeschlossen ist, kommt für die restlichen
2/3 der Stadtbevölkerung alle 2-3 Tage ein Wasserwagen.
Jeder holt sich dann in Eimern so viel Wasser direkt an der Straße ab wie benötigt wird, bis der Wasserwagen das
nächste Mal kommt. Die Landbevölkerung hat nicht mal das.

    

Es ergab sich, dass eine Holländerin, die wir dort kennenlernten und die dort seit einigen Jahren lebt uns in den fol-
genden Tagen, drei große Entwicklungshilfeprojekte vorstellte und uns mit den dortigen verantwortlichen Personen
bekannt machte.
Zuerst besuchten wir ein Trinkwasserprojekt, bei dem neben dem Verlegen von Leitungen in bisher nicht erschlos-
senen Stadteilen, ein großer Wasserspeicher im Dschungel auf einer Anhöhe gebaut wird (Funktion ähnlich einem
Wasserturm). Der Tageslohn der Bauarbeiter beträgt bei 10-12 Std. Arbeit auf der Baustelle zwischen 2,50 -3,50
Dollar. Wer damit nicht zufrieden ist fliegt 'raus. Es gibt genug, die sofort nachrücken und die Lücke schließen.
Zum Vergleich: das Bier in der Bar kostet zwischen 70 Cent bis 1 Dollar. Die Baugerüste … unvorstellbar und
lebensgefährlich. (Das zum Thema Arbeitssicherheit)

    

Wir hatten das Glück auch ein Abwasserprojekt mit einer Biokläranlage zu besichtigen. Wenn die Ergebnisse auch
noch nicht optimal sind, ist es ein erster wichtiger Schritt dazu, die Abwässer nicht mehr ungeklärt in den Nicara-
guasee zu leiten, zumal dieser gleichzeitig auch als Trinkwasserlieferrant genutzt wird.

Ein weiteres Projekt, das wir besuchen konnten, war ein groß angelegtes, mit EU-Mitteln gefördertes, Ofenprojekt
für die Landbevölkerung. Dabei handelt es sich um einzelne Ofenmodule mit Rauchabzug, die von der Bevölkerung
über sehr langfristig angelegte Minikredite erworben und selbst zusammengebaut werden müssen. Hintergrund ist
der, dass die Menschen die Funktion der Öfen nicht nur erkennen und begreifen, sondern sich auch gegenseitig
beim Aufbau und bei Reparaturen helfen können. Kein so leichtes Unterfangen bei einer Analphabetenrate von
30 % der Gesamtbevölkerung. Über 1 Million Kinder gehen überhaupt nicht zur Schule, sondern erarbeiten schon
sehr früh den Lebensunterhalt u.a. auf den Obst- und Kaffeeplantagen.

    

Lang anhaltende Stromausfälle sind an der Tagesordnung. So ist es auch uns ergangen, als wir eines Abends mit
mehreren Freunden spät beim Essen in einem Lokal saßen. Der frisch gegrillte Fisch lag gerade auf unseren
Tellern vor uns, als plötzlich das Licht ausging. Nicht nur im Lokal, nein, in der ganzen Stadt. Stockduster. Keine
Laterne … nichts. Den leckeren Fisch vor der Nase konnte man nur noch riechen, so dunkel war es.
Letztendlich haben wir uns mit den Displays unserer Handys aus der Patsche geholfen, bis nach einer geraumen
Weile ein Notstromaggregat in dem Lokal seinen Dienst aufnahm.

    

Ein Spaziergang über die Märkte ist ein besonderes Erlebnis. Besonders Früchte, überwiegend Ananas, Kochba-
nanen, süße Bananen und Citrusfrüchte, wohin das Auge schaut. Dazwischen dann immer wieder ein paar Tiere
wie Schweine und Hühner und natürlich auch bereits zerlegte Tierhälften und Fleischstücke, die an den Marktstän-
den nach einem 12-stündigen Sonnenbad abends dann nicht nur einen Geruch abgaben, den man noch sehr lange
in der Nase behielt, sondern auch bereits deutlich das Aussehen verändert hatten. Unvorstellbar.

   

Das Wort Kühlkette ist dort vielerorts völlig unbekannt. Wie soll das auch gehen, wenn immer wieder der Strom aus-
fällt. Und doch funktioniert das Leben irgendwie. Die Nicaraguaner sind Meister der Improvisation. Fröhliche Men-
schen und ich habe noch nie so viele Kinder gesehen. Kinder trifft man dort überall.

Im Schnitt hat jede Familie, besonders auf dem Land, 5-6 Kinder. Auch 8 Kinder sind durchaus normal. Leider wer-
den Mädchen, besonders auf dem Land, nicht selten schon im Alter von 13 Jahren das erste Mal schwanger. Ein
ungewohnter Anblick für uns Europäer, wenn man von Kinderaugen angesehen wird, die selbst schon ein Kind in
ihren hochschwangeren Bäuchen tragen. Ich habe das bei einer Fahrt mit dem Bus ins Landesinnere selbst erlebt.
Ein großes Problem in Nicaragua.

    

Überhaupt, echte gesundheitliche Probleme kriegt man dort besser nicht. Die medizinische Versorgung soll sich zu
früher zwar verbessert haben; aber echte Notfälle können nur in der Hauptstadt Managua behandelt werden. Auf-
grund der Strassenverhältnisse braucht man von San Carlos mit dem Bus für die 300 km Entfernung locker 6-7 Std.
Da kann es für manche schon mal eng werden.

Uns wurde eine Besichtigung des örtlichen Krankenhauses in San Carlos angeboten. Ein großer Erfolg ist inzwi-
schen, dass viele Schwangere stationär entbinden. Wohlgemerkt, die Bettenbelegung erfolgt bis zu zwei Patienten
pro Bett...

Pionierarbeit, überall wohin man schaut. Ich habe selten soviel Respekt für Menschen empfunden, die sich in die-
sem Mangel durchkämpfen und versuchen, wenn auch manchmal nur mit sehr kleinen mühseligen Fortschritten,
Verbesserungen für die Bevölkerung und für ihr Land zu erreichen. Ein stolzes Land.
Der letzte Abend verlief auf Einladung der Stadtspitze von San Carlos in einem Restaurant mit schönem Blick über
den Nicaraguasee. 4 Tage noch bis Heiligabend und uns war gar nicht weihnachtlich zumute.

Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg zu unserer nächsten Etappe. Mit dem Langboot 80 km Rich-
tung Karibikküste in den nicaraguanischen Dschungel...

                                          hier geht's in den Dschungel

 

 

 
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