Riesengebirge
es geht los
Trutnov
Hrubá Skala
Elbsandstein

Trutnov, das Eingangstor des Riesengebirges

 

   

Der nächste Morgen begann vielversprechend. Petrus bescherte uns einen strahlend blauen Himmel, der maßgeblichen Einfluss auf das all-
gemeine Wohlbefinden hatte und uns schnell wieder zurück auf unsere Moppeds brachte. Ein herzlicher Abschied und schon starteten die
Turbinen, pardon, die Motoren. Über sanft schwingende Landstraßen in der einzigartigen Landschaft des lausitzer Berglandes machten wir
uns auf den Weg zur Bikerhöhlen ach Pekelné Doly.

Ganz in der Nähe, wo die Kamnitz in die Elbe mündet, am tieftsten gelegenen Ort Böhmens, befindet sich der Grenzübergang Schmilka-
Hrensko, den wir am späten Vormittag passierten. Nachdem wir die Tanks gefüllt hatten, ging es weiter über den Herrenhausfelsen, ein vul-
kanisches Basaltgebirge in der Nähe von Kamenický Senov in das Tal zwischen Svitava und Velenice zu den beeindruckenden Höhlen, von
denen die größte heute als lokaler Treffpunkt für Motorradfahrer ausgebaut wurde.
Das Besondere daran ist wohl, dass man mit seinem Motorrad direkt in die Höhle an den Thresen fahren kann, was in Deutschland aufgrund
der vielen Vorschriften wahrscheinlich so nicht möglich wäre. Über die Sinnhaftigkeit kann man natürlich streiten....

   

Jens hat mich immer wieder anstiften wollen auch mit meiner K75 den Weg durch die Höhle zu nehmen um allen Anwesenden mal zu zeigen
wie kraftvoll ein liegender 3-Zylinder klingt. Den Auftritt habe ich aber dann doch verkniffen...
In der Höhle sorgen 12°C Innentemperatur das ganze Jahr über für ein erfrischendes Klima und bei dem schönen Wetter und äußerst zivilen
Preisen für's Essen und Getränke war natürlich viel los. So wunderte es uns auch gar nicht, dass Motorfahrer aus allen Himmelsrichtungen
eintrafen, um bei einem kühlen alkoholfreien Bier die Frühlingssonne zu geniessen. In Tschechien gilt die 0,0 Promillegrenze.

   

Nachdem wir uns gestärkt hatten brachen wir zum nächsten Ziel auf, das „Misthaus“ im Isergebirge in Jizerka, einem Ortsteil von Korenov.
Matthieu wollte den Ort seiner Kindheit wiedersehen, den er mit seinen Eltern besucht hatte und von dem er spannende Geschichten in Erin-
nerung hatte.
Bei dem Gebiet handelt es sich um ein Naturschutzgebiet, das nur befahren werden darf, wenn man dort auch in den wenigen Gasthöfen
übernachten möchte. Diese Regelung wird von den ortsansässigen Gastronomen mit Argusaugen überwacht. Wir haben uns trotzdem auf der
schmalen Asphaltstraße im Schritttempo hineingewagt und bekamen auf dem Rückweg dann auch gleich die lautstarke und wortreiche Quit-
tung eines Wirtes zu spüren, in dessen Gasthaus wir kurz auf einen Kaffee, Eis und Kuchen einkehrten.
Letzteres war ihm allerdings völlig egal und so machten wir Bekanntschaft mit der weniger angenehmen deutsch-tschechischen Freundschaft.
Das war aber auch die einzige Begegnung dieser Art in dem sonst sehr freundlichen Tschechien. „Mea culpa“ der Wirt hatte ja Recht...

      

Zurück auf den Moppeds steuerten wir unser nächstes Etappenziel, das Skigebiet „Spindlermühle“ an, das sich auf einer Höhe von 717 bis
1.310 m erstreckt. Die geplante „Gipfelfahrt“ mit den Motorrädern konnten wir leider nicht machen, da auch hier aufgrund naturschutzrechtli-
cher Bestimmungen ein problemloses Befahren des Passes nicht möglich war und wir nicht noch einmal Lust auf selbsternannte oder offizi-
elle Ordnungshüter hatten. Ein Motorradfahrer berichtete uns von einer ähnlichen Passstraße an deren Ende die Polizei wartete und fleißig
der Reihe nach größere Beträge abkassierte.

   

In der Saison kommt es vor, dass sich im Ort die Zahl der Bewohner durch Touristen verzehnfacht. Da wir aber außerhalb der Saison unter-
wegs waren, konnten wir den schönen Ort genießen und nur erahnen, was hier im Winter wohl so los ist. Selbst Franz Kafka hat diesen Ort
in den 20er Jahren auf Empfehlung seines Arztes für 4 Wochen besucht und dort seinen Roman „Das Schloss“ begonnen.
Als wir den Ort verließen, hatten wir die erste Begegnung mit Rübezahl. Leider entpuppte sich dieser als lebende Touristenattraktion, die für
ein gemeinsames Foto selbstverständlich eine kleine Aufwandsentschädigung nahm. War dann wohl doch nicht der echte...

   

Die Tagesetappe endete nach weit über 350 gefahren Kilometern und müden Hinterteilen in Trutnov, dem Eingangstor des Riesengebirges.
Thomas hatte im Vorfeld direkt im Zentrum ein kleines Hotel gebucht und so fanden wir auf unserer Reise eine schöne Unterkunft.

Bevor wir uns aber zur Nachtruhe begaben, suchten wir noch frisch geduscht und in zivilen Klamotten ein Lokal in der Innenstadt auf und
konnten, man möge es uns verzeihen, auch hier erneut nicht der tschechischen Küche widerstehen.
Außerdem war jetzt endlich auch Gelegenheit die tschechische Braukunst in den schönsten Spielarten ausgiebig zu testen. Auch der zuge-
hörige Obstbrand durfte nicht fehlen und so suchten wir zu fortgeschrittener Stunde müde und bestgelaunt unsere Gemächer auf, um unsere
erschöpften Glieder zu betten. Es dauerte nicht lange und die ersten Schnarchgeräusche waren zu hören...

 

                                                                                                                                                                 hier geht's nach Hrubá Skala
 

 

   

 
Besucherzaehler