LGKS
wie es begann
Vorgeschmack
die Nordroute
Saorge
die Südroute
die Bergung
Filme LGKS

ein erster Vorgeschmack

 

     

Nachdem wir unsere Helme aufgesetzt hatten, erfolgte durch Thomas der übliche Soundcheck. Unsere Helmsprech-
anlagen (Sena 10S) haben sich auf unseren Touren hervorragend bewährt. Immer eine Topverbindung auch in ber-
gigem Gelände über große Distanzen. Es zeigte sich später noch, dass wir diese Sprachverbindung brauchten, da
wir alle viel zu sehr mit dem „Bergklettern“ unserer Mopeds beschäftigt waren. So sehr, dass sich oft nicht mal ein
Augenblick Zeit dafür fand, sich um den Hintermann zu kümmern. Sich umdrehen hätte unter Umständen fatale
Folgen haben können. Was dann ja auch einem von uns noch passierte…

Unser morgendliches Ziel war Upega, Ausgangspunkt und letzter Ort vor dem Anstieg zur LGKS. Schon kurz nach
Vessalico ging es über Serpentinen auf der Strada Provenciale immer höher in die traumhaft schöne Bergwelt Ligu-
riens.
Unsere MZten schafften die Strecke mühelos und schnurrten nur so dahin. Ein Tal löste das andere ab und
immer wieder ging es entlang von sprudelnden Bergflüssen, die mit ihren steinigen Bachbetten und Kiesbänken ei-

nen Vorgeschmack auf das gaben, was uns erwartete. Die 40 km Anfahrt von unserem Refugio bis zum „Einstieg“
in die LGKS dauerte eine gute Stunde und war bereits ein Genuss für die Motorradfahrerseele.

     

In Ponte di Nava verließen wir die Hauptstraße und folgten dem Tanaro, ein kleiner Bergfluss, an dem entlang sich
eine schmale Asphaltstraße immer tiefer und Höhenmeter um Höhenmeter in die Bergregion wand.
Übrigens: An der Abzweigung befindet sich ein kleiner Alimentari, der als Geheimtip jedem dringend zu empfehlen
ist. 
Beim Betreten des Ladens mit seinen erlesenen Waren der Region, wird man sofort eingehüllt in sämtliche kaum
vorstellbare Kräuterdüfte Liguriens, angereichert mit dem Bouquet frisch gepresster Olivenöle, fein abgestimmt mit
dem Odeur von frisch geerntetem Knoblauch. Eine einzige Offenbarung für die Sinne.
In den Regalen stehen exquisite Sorten verschiedener Liköre der Region und natürlich findet man auch den tradi-
tionellen Grappa von mild bis „strong“ in den Farben klar bis honigfarben. Herrlich. Man möchte eigentlich gar nicht
mehr aus dem Laden gehen und sich unverzüglich und auf der Stelle, den sinnlichen Genüssen hingeben... 

     

Die Straße nach Upega windet sich bis auf 1.297 m Höhe und führte uns entlang eines rauschenden Bachlaufes,
dessen Kiesbänke über eine sehr steile und steinige Zufahrt, weit unterhalb des Passes erreichbar waren. Der Ge-
danke, den Bachlauf bis zu den Kiesbänken mit unseren Motorrädern zu durchqueren war einfach unwiderstehlich
und so fuhren wir da 'runter. Wir merkten schnell, dass es etwas Übung brauchte, ohne nasse Füsse zu bekommen,
die ca. 170 kg Metall (incl. Gepäck) mit dem richtigen Tempo auf dem Rollkies durchs Bachbett zu manövrieren.

In Upega angekommen belohnten wir uns dann mit einem, inzwischen von uns beiden heißersehnten, italienischen
Kaffee incl. Croissants und mit Schokolade gefülltem Gebäck.
Da der Tag noch zu jung war, um bereits die Rück-
fahrt nach Vellasico anzugehen, brauchte es keine langen Worte und wir fuhren weiter bis zum Einstieg in den
nördlichen und südlichen Teil der LGKS.

Gleich nach Upega stieg die Straße rasch an. Der Asphalt wurde brüchiger, bis wir schließlich in einer Kehre den
befestigten Teil der Strecke vollends hinter uns ließen. Aus einer Feinschotterpiste wurde Grobschotter, die sich
später durchsetzt mit massiven Steinbrocken, wieder zu einer staubigen Sandpiste wandelte. Ein erster Vorge-
schmack auf die LGKS und so balancierten wir unsere MZten im wahrsten Sinne des Wortes über Stock und Stein.
Kehre um Kehre immer höher auf den Bergkamm hinauf, bis kurz unterhalb der Baumgrenze.

     

Nassgeschwitzt erreichten wir die kleine Zahlstelle, von der aus die Süd- und die Nordroute, logischerweise in ent-
gegengesetzte Richtung, begannen. Die Nordroute ist seit ein paar Jahren kostenpflichtig (10 €) und an den Tagen
Montag und Dienstag geschlossen. Auch ist die tägliche Zahl der Motorräder limitiert.

Nach einer kleinen Verschnaufpause waren wir zu neugierig, um jetzt umzukehren und so entschieden wir uns für
die Südroute, der wir bis zum Monte Saccarello, dem höchsten Berg der italienischen Region Liguriens, direkt an
der Grenze zu Frankreich, bis auf 2.201 m Höhe folgen wollten.

Die Telegabeln mussten harte Arbeit leisten und immer wieder überprüfte ich nach heftigen Schlägen mit einem
Blick entlang der Tauchrohre, ob sich nicht ein feiner Ölfilm durch die Dichtringe quetscht.
Die Strecke verlief entlang eines Bergkammes und veränderte ständig ihre Beschaffenheit. Schotter, Steine und
Sand wechseln sich ab. Mal war die Piste eben, um sich dann plötzlich in eine schlaglochübersäte Steinpiste zu
verwandeln. An einer Weggabelung begann der eigentliche Gipfelanstieg. Der Pfad wurde schmaler und die Stein-
brocken nahmen felsigen Charakter an.

     

Wie ein paar Bergziegen kletterten wir im ersten Gang mit unseren Emmen über Steine, die ein erfolgreiches und
sicheres Überfahren nicht selbstverständlich machten. Die Hitze der Motoren stieg an uns empor und immer wieder
hoffte ich, dass wir bloß keinen Totalausfall mit den Mopeds erleben. Hilfe wäre hier oben in der Region nur schwer
möglich gewesen…
Vor jeder Kehre hofften wir, dass der Weg danach angenehmer zu fahren wäre. Leider war kein Ende abzusehen.

Irgendwann unterwegs muß ich meinen 5 Ltr. Metallkanister aus der Halterung verloren haben, er tauchte leider trotz
Suche nicht wieder auf.
Als wir nach einer gefühlten Ewigkeit endlich den Gipfel erreichten, brauchten die Motoren
dringend eine Verschnaufpause. Die Maschinen knisterten nur so. Was für eine Strapaze. Zum Glück hatten wir
noch die Ritzel getauscht.

Der Ausblick auf die Bergwelt Liguriens war atemberaubend schön. Blauer Himmel und strahlender Sonnenschein
und das bei angenehmen Temperaturen in über 2.000 m Höhe, was will man mehr erwarten. Und so gönnten wir
nicht nur unseren Maschinen eine lange Pause.

     

Die Rückfahrt verlief entsprechend, nur alles bergab. Teilweise stehend auf den Rasten, die Bremse immer bereit,
die Oberkörper über den Lenkern aufgerichtet (die Handgelenke fingen an zu schmerzen) kletterten wir mit unseren
Motorrädern vorsichtig den steilen Pfad wieder hinunter. Der Rückweg verlief über Serpentinen nach Monesi di Tri-
ora, als wir plötzlich vor einer gesperrten Straße standen.
Ein Erdrutsch hatte diese komplett zerstört. Rechts der Straße war jedoch eine mögliche Umgehung erkennbar,
deren Verlauf und Befahrbarkeit ich zunächst allein mit meiner 'NVA' erkundete. Thomas wartete derweil an der Ab-
bruchstelle.
Mit einem kräftigen Anlauf trieb ich die MZ den sandigen Steilhang hinauf und schaffte es nur mit
Mühe oben anzukommen.

Der Weg führte tatsächlich um das Dorf herum und zum Glück hatten wir eine Sprechfunkverbindung. So konnte ich
"grünes Licht" geben mir zu folgen. Das Ergebnis war allerdings, dass Thomas seine 'Irak' am Steilhang hoffnungs-

los eingrub, was wohl an der 16-Zollbereifung und der damit verbundenen geringeren Bodenfreiheit lag.
Nur im ersten Gang schiebend und nebenherlaufend, gelang es ihm unter Anstrengung die Anhöhe zu erklimmen.

     

Weiter ging es bergab nach San Bernardo, ein kleiner italienischer Ort auf 996 m Höhe unmittelbar am Anstieg vom
Colle San Bartolomeo. In einer Bar hielten wir an und waren mit unseren Motorrädern sofort Mittelpunkt des Ge-
schehens. Über die Mopeds hatte sich von der heutigen Tour bereits eine feine rotbraune Staubschicht gelegt und
machte unsere Gefährte für die Bergbewohner dadurch offensichtlich noch interessanter.
Mit Händen und Füßen bemühten wir uns alle Fragen zu beantworten, nicht ohne auch die teilweise neidvollen
Blicke auf unsere Maschinen zu genießen. Schließlich ging es weiter, zurück nach Vellasico zu unserer Unterkunft.
Gegen 17 Uhr trafen dann Günter und Helmut ein und wir bezogen Quatier.


                                                                                                                                                                             die Nordroute



 

Besucherzaehler